Kongress, 15.04.2012

Herzschwäche: Welches Monitoring?

Studiendaten belegen: Krankenschwestern- und Arztbasiertes Telemonitoring ist dem rein Apparate-basierten Monitoring von Herzinsuffizienz-Kranken überlegen.

Von Thomas Meißner

Herzschwäche: Welches Monitoring?

Kardiomegalie bei Herzinsuffizienz mit Pleuraerguss links (Ausgangsbefund).

© Prof. Dr. med. H. S. Füeßl

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Herzinsuffizienz ein in Deutschland zunehmendes Problem darstellt: Die Lebenserwartung der Bevölkerung ist deutlich gestiegen, kardiovaskuläre Akuterkrankungen können wesentlich besser behandelt werden als früher.

Aber auch Menschen mit chronischen, teilweise seltenen Erkrankungen erhalten Therapien, die deren Prognose maßgeblich verbessert haben. Damit erreichen viele Menschen ein Alter, in dem sie das Syndrom der Herzinsuffizienz entwickeln, auf der Grundlage verschiedener Primärerkrankungen. Bei den über 65-jährigen Menschen sind heute fünf bis zehn Prozent davon betroffen. Und es ist häufig ein Gesundheitsproblem unter vielen.

Es bedürfe daher individualisierter Präventions- und neuer Versorgungskonzepte, sagt Professor Georg Ertl vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz an der Universität Würzburg. Ziel müsse es sein, die Dekompensation zu vermeiden.

Moderne Technik allein reicht nicht

"Es gibt verschiedene Überlegungen, wie wir diese sehr komplexen Behandlungen für Patienten mit Herzinsuffizienz umsetzen können", so Ertl mit Blick auf das im Allgemeinen alte, multimorbide und polymedikamentös versorgte Patientenklientel. Telemedizin ist ein Weg.

Aber moderne Technik allein schafft keine Verbesserungen, wie zwei große Studien, die ein rein Apparate-basiertes Patientenmonitoring geprüft hatten, ergeben haben. "Beide waren überraschend negativ ausgegangen - mögliche Vorteile für die Patienten gab es nur in Untergruppen", betont Ertl. Er wird bei seinem Plenarvortrag am 16. April (8:45 Uhr, Halle 1) Argumente dafür bringen, warum die "Komponente Mensch" in diesen Behandlungskonzepten ganz entscheidend ist.

Arzt oder Krankenschwester ersetzt die Technik nicht

Für den Kardiologen steht fest, dass das Krankenschwestern- und Arzt-basierte Telemonitoring dem rein Apparate-basierten Monitoring von Herzinsuffizienz-Patienten überlegen ist. "Man kann das vielleicht miteinander kombinieren, aber den Arzt oder die Krankenschwester ersetzt die Technik nicht!"

In der im vergangenen Jahr publizierten INH (Interdisziplinäres Netzwerk Herzinsuffizienz)-Studie der Uni Würzburg hatten Krankenschwestern Herzinsuffizienz-Patienten regelmäßig angerufen und strukturiert nach ihren Vitalparametern, Körpergewicht und den Beschwerden befragt. Je nach Schwere der Herzinsuffizienz waren die Patienten mehr oder weniger oft kontaktiert worden.

Die Studienteilnehmer kannten die Krankenschwester persönlich und hatten zudem die Möglichkeit, sich umfassend zu äußern, also auch zu nichtkardiologischen Problemen. Die Überlebensrate war mit dieser Intervention stärker verbessert worden als es mit der Implantation eines ICD (Implantierbarer Cardioverter-Defibrillator) möglich gewesen wäre.

Andererseits, so Ertl, könne es durchaus passieren, dass ein solcher Anruf einmal zu spät kommt. Gerade die ersten Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sind eine vulnerable Phase für Herzinsuffizienz-Patienten. Gerade in solchen Phasen könnte ein Apparate-basiertes Telemonitoring die persönliche Betreuung ergänzen - Studien dazu stehen noch aus.

Auch scheinbar sinnvoll eingesetzte Gerätetechnik birgt Ethik-Konflikte

Doch auch scheinbar sinnvoll eingesetzte Gerätetechnik birgt Konflikte, die die Ethik ärztlichen Handelns berühren. ICD sind ein Segen für Patienten, die von Kammerflimmern und plötzlichem Herztod bedroht sind. "Andererseits erhalten sehr viele Patienten solche Geräte, ohne dass sie am Ende tatsächlich einen Nutzen daraus ziehen", meint der Würzburger Kardiologe. Dann stehen eher die Gerätestörungen mit inadäquaten Schocks und Einschränkungen der Lebensqualität im Vordergrund.

Es braucht noch bessere Möglichkeiten, jene Patienten zu charakterisieren, die tatsächlich einen ICD benötigen. Schließlich jedoch beseitigt der ICD die Krankheit nicht - sie schreitet weiter fort, die Symptomatik nimmt zu. Im schlechtesten Fall kann die Qualität des Sterbens für einen alten Menschen mit ICD schlechter sein als ohne. Die Entscheidung etwas nicht zu tun, so Ertl, sei eben oft sehr viel schwieriger als eine Therapieindikation zu stellen.

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