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Fortschritt in Sicht

Schwangerschaftshormon gegen Herzschwäche

Erstmals seit langer Zeit deutet sich ein Fortschritt in der Behandlung bei akuter Herzinsuffizienz an - mit dem Schwangerschaftshormon Relaxin.

Von Dirk Einecke Veröffentlicht:
Stark statt schwach: Das soll Relaxin schaffen.

Stark statt schwach: Das soll Relaxin schaffen.

© Julien Tromeur / Shutterstock.com

Trotz großer Fortschritte in der Therapie bei chronischer Herzinsuffizienz bleibt die akute Dekompensation der Herzschwäche ein klinisches Problem.

Seit Jahrzehnten ist die Therapie in dieser Situation nahezu unverändert, neue Medikamente fielen in größeren Studien immer wieder durch.

Vor diesem Hintergrund überraschte jetzt die RELAX-AHF-Studie mit dem rekombinanten humanen Relaxin-2 (Serelaxin) positiv.

Die beim Jahreskongress der American Heart Association vorgestellte und zeitgleich in "The Lancet" publizierte Phase-3-Studie erreichte den primären Endpunkt: Die Behandlung verbesserte die Atemnot der Patienten signifikant.

Zusätzlich wurde die Gesamtsterberate nach sechs Monaten, ein Sicherheitsendpunkt, signifikant um 37 Prozent reduziert.

In die Studie waren 1161 Patienten aufgenommen worden, die mit akuter Herzinsuffizienz ins Krankenhaus kamen. Alle litten an akuter Atemnot, wiesen Stauungszeichen im Röntgenthorax auf, hatten erhöhte BNP oder NT-proBNP-Werte, eine leichte bis mäßiggradige Nierenschwäche sowie einen systolischen Blutdruck von über 125 mmHg.

Die Behandlung mit Serelaxin erfolgte binnen 16 Stunden nach Aufnahme mittels Infusion über 48 Stunden in einer Dosierung von 30 µg / kg / d.

Erleichterung der Atemnot

Es gab zwei co-primäre Endpunkte, die beide die Atemnot quantifizierten. Einer dieser Endpunkte - die mithilfe der visuellen Analogskala beurteilte Dyspnoe innerhalb der ersten fünf Tage - verbesserte sich signifikant: Die Fläche unter der Kurve wurde durch Serelaxin um 19,4 Prozent vergrößert.

Dies bedeutet, dass die Patienten eine Erleichterung ihrer Atemnot verspürten, erläuterte Studienleiter Professor John R. Teerlink, San Francisco VA Medical Center.

Nicht signifikant gebessert wurde die Atemnot auf der Likert-Skala innerhalb der ersten 24 Stunden. Auch auf die kardiovaskuläre Mortalität oder die Rehospitalisierungsrate innerhalb von 60 Tagen - beides sekundäre Endpunkte - hatte die Behandlung keinen Einfluss.

Bei Patienten der Verumgruppe war andererseits signifikant seltener eine Verschlechterung der Herzschwäche zu beobachten.

Sie benötigten weniger intravenöse Diuretika, und auch die Zeichen der Kongestion bildeten sich deutlicher zurück als in der Kontrollgruppe.

In der mit Serelaxin behandelten Gruppe besserten sich zudem häufiger die NT-proBNP-Werte, und seltener als in der Kontrollgruppe stiegen Kreatinin- oder Troponin T-Werte an. Die Patienten der Verumgruppe wurden im Schnitt einen Tag früher aus dem Krankenhaus entlassen.

Mortalität signifikant verringert

Eine Überraschung: Nach 180 Tagen waren 65 Patienten (11,3 Prozent) in der Placebogruppe verstorben, aber nur 42 Patienten (7,3 Prozent) in der Verumgruppe.

Dies entspricht einer signifikanten relativen Reduktion der Mortalität um 37 Prozent durch Serelaxin. Demnach müssen 29 Patienten diese Therapie erhalten, um einen Todesfall zu verhindern, so Teerlink.

"Ich denke, dass Serelaxin die Atemnot und andere Symptome erleichtert und wirksam gegen die Stauung ist", erklärte der offizielle Studiendiskutant Professor John McMurray, Universität Glasgow.

Bezüglich des Mortalitätsvorteils nach einem halben Jahr mahnte er jedoch zur Vorsicht: "Studien mit relativ kleiner Patientenzahl ergeben keine robusten Mortalitätszahlen."

Professor Milton Packer, UT Southwestern Medical Center in Dallas, kommentierte: "Ich würde gerne sehen, dass diese Befunde in einer zweiten Studie repliziert werden. Wenn sich dort der Überlebensvorteil bestätigt, dann haben wir einen außerordentlichen Therapiefortschritt bei der akuten Herzinsuffizienz."

Auch In einer Phase-2-Studie (Pre-RELAX-AHF) mit 234 Patienten hatte sich Serelaxin bei akuter Herzschwäche zuvor als symptomatisch und prognostisch wirksam erwiesen.

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