Ärzte Zeitung, 03.09.2013

Herzinsuffizienz

Telemonitoring senkt Todesfälle

Telemedizin wirkt: Dass sie sogar die Todesfälle reduzieren kann, haben jetzt deutsche Kardiologen auf dem ESC in Amsterdam gezeigt.

Von Peter Overbeck

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Die beim Telemonitoring gewonnenen Daten werden per Mobilfunk an den Arzt übermittelt und grafisch aufbereitet.

© BIOTRONIK

AMSTERDAM. Viele Patienten mit Herzinsuffizienz sind Träger eines implantierten Defibrillators (ICD) oder eines Gerätes zur kardialen Resynchronisation (CRT).

Solche Geräte können nicht nur lebensbedrohende Arrhythmien terminieren und die gestörte Herzfunktion verbessern. Sie können heute auch fortlaufend den Zustand von Herz und Gerät überwachen und Informationen darüber an klinische Zentren weiterleiten (home monitoring).

Bei Problemen lässt sich so früh therapeutisch gegensteuern. Den Nutzen eines solchen Systems zeigt jetzt die IN-TIME-Studie von Forschern um den Leipziger Kardiologen Professor Gerhard Hindricks. Die Daten wurden beim ESC-Kongress in Amsterdam vorgestellt.

716 Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium II / III) nahmen teil. Sie alle hatten ein Implantat mit Telemonitoring-Funktion von Biotronik erhalten (42 Prozent ein ICD, 58 Prozent ein CRT).

Die Geräte übermittelten die Informationen (etwa Veränderungen des Herzrhythmus, zu Schock-Abgaben oder Systemfunktion) automatisch und ohne jedes Zutun der Patienten per Mobilfunk an eine zentrale Datenstelle am Herzzentrum der Universität Leipzig.

Noch unklar, was letztlich geholfen hat

Nur bei der Hälfte der Patienten hatten die Ärzte aber auch tatsächlich Zugang zu den eingegangenen Informationen (Telemonitoring-Gruppe), bei der anderen Hälfte beschränkte man sich ohne Kenntnis der übermittelten Daten auf die übliche Standardtherapie.

Primäres Ziel der Studie war, die Auswirkungen der implantatgestützten Fernüberwachung auf die Progression der Herzinsuffizienz zu untersuchen. Die klinische Verschlechterung wurde anhand des modifizierten Packer Scores bewertet - eine Kombination unter anderem aus Tod jedweder Ursache, ungeplanten Klinikaufenthalten wegen dekompensierter Herzinsuffizienz sowie NYHA-Stadium.

Nach einem Jahr war der Anteil der Patienten, bei denen eine Verschlechterung der Herzinsuffizienz objektivierbar war, in der Telemonitoring-Gruppe signifikant niedriger als in der Gruppe mit Standardtherapie (18,9 versus 27,5 Prozent).

Auch bei der Mortalität (sekundärer Endpunkt) ergab sich ein deutlicher Vorteil: Mit 3,4 versus 8,7 Prozent war die Rate der Todesfälle in der Telemonitoring-Gruppe im Vergleich signifikant niedriger.

Noch bleibt genau zu klären, welche "Trigger" im Einzelnen die rasch gegensteuernden Therapien ausgelöst haben und von welcher Art die Maßnahmen waren. Die Analyse, so Hindricks, soll nun folgen.

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