Ärzte Zeitung, 03.06.2016

Grippe

Impfung schützt Herzschwache doppelt

Profitieren Patienten mit Herzschwäche von einer Grippeimpfung? Darüber scheiden sich die Geister. Eine neue Studie zeigt jetzt: Der Piekser bringt bei Herzinsuffizienz einen doppelten Nutzen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Impfung schützt Herzschwache doppelt

Eine Grippe-Impfung kann offenbar auch kardial von Nutzen sein.

© Digitalpress / fotolia.com

FLORENZ. Um den Nutzen der Grippeimpfung bei Herzinsuffizienz ist immer wieder diskutiert worden: "Es gab Hinweise, dass die Impfung bei Herzinsuffizienzpatienten wegen reduzierter Immunantwort weniger effektiv sein könnte", sagte Professor Kazem Rahimi vom "The George Institute for Global Health" der Universität Oxford beim ESC-Kongress Heart Failure 2016.

Um Klarheit zu schaffen, haben Rahimi und Kollegen daher Daten des britischen primärmedizinischen Registers "Clinical Practice Research Datalink" analysiert. Das Register enthält IT-Dokumentationen primärversorgender Ärzte über lange Zeiträume hinweg.

Effekt war am stärksten 31 bis 300 Tage nach Impfung

Aus 4,9 Millionen Datensätzen der Jahre 1990 bis 2013 filterten die Forscher dabei etwa 59.000 von Patienten mit Herzinsuffizienz heraus. Gesucht wurde nach Klinikweisungen jeder Art sowie wegen respiratorischer Infektionen und wegen kardiovaskulärer Erkrankungen.

Verglichen wurden Jahre, in denen die Patienten gegen Grippe geimpft waren mit angrenzenden Jahren, in denen sie nicht geimpft waren.

Dabei zeigte sich, dass 31 bis 300 Tage nach einer Grippeimpfung das Risiko für Krankenhauseinweisungen wegen Atemwegs-Infektionen um 16 Prozent reduziert war, das Risiko für Krankenhauseinweisungen wegen kardiovaskulärer Erkrankungen um 30 Prozent und das Risiko für Krankenhauseinweisungen jeglicher Ursache um 4 Prozent.

Der Effekt war 31 bis 120 Tage nach der Grippeimpfung am stärksten. Dies spreche dafür, dass das Risiko wirklich durch die Impfung reduziert wird, betonte Rahimi: "Menschen erkranken typischerweise nicht im Sommer an Grippe, sodass wir erwartet haben, dass der Nutzen in den Monaten unmittelbar nach der Impfung am größten ist."

Impfung könnte Entzündungsprozesse positiv beeinflussen

Die Studie zeigt Rahimi zufolge, dass die Grippeimpfung auch bei Herzinsuffizienz-Patienten sehr sinnvoll ist. Die Daten seien dazu geeignet, die gelegentlich aufflammenden Diskussionen um den Sinn der Impfung bei Patienten mit Herzinsuffizienz zu beenden.

Warum aber werden nicht nur Klinikeinweisungen wegen Infektionen verringert, sondern auch wegen kardiovaskulärer Ursachen?

Rahimi vermutet, dass die Impfung Entzündungsprozesse günstig beeinflusst, die durch Infektionen getriggert werden. Solche Prozesse könnten sekundär die kardiovaskuläre Erkrankung verschlechtern.

Um ihre Ergebnisse zusätzlich zu überprüfen, haben die Forscher sich auch noch die Krankenhauseinweisungen wegen Krebs angesehen. Erwartungsgemäß gab es hier keine Unterschiede zwischen den Jahren mit oder ohne Grippeimpfung.

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