Ärzte Zeitung, 08.12.2004

Ist nach Kardioversion Dauertherapie nötig?

Kompetenznetz Vorhofflimmern startet große Studie

BERLIN (gvg). Das Risiko erneuten Vorhofflimmerns ist in den Tagen unmittelbar nach elektrischer Kardioversion weit größer als später. Eine Studie des Kompetenznetzes Vorhofflimmern soll jetzt klären, ob eine Kurzzeittherapie mit dem Antiarrhythmikum Flecainid diese Phase sicher überbrücken hilft.

"Ein Großteil der Rezidive bei Patienten, die wegen Vorhofflimmerns eine elektrische Kardioversion erhalten, tritt in den ersten fünf Tagen danach auf", sagte Professor Günter Breithardt vom Universitätsklinikum Münster. So sei in einer neuen Studie bei 35 von 61 Patienten nach Kardioversion innerhalb eines Monats ein Rezidiv aufgetreten. Bei 22 davon sei das Rezidiv innerhalb der ersten fünf Tage gekommen.

Trotzdem gebe es nach wie vor kein standardisiertes Verfahren für die medikamentöse Rezidivprophylaxe nach Kardioversion, so Breithardt auf dem vom Bundesforschungsministerium veranstalteten Workshop "Mythos Herz" in Berlin. Verwendet werden unter anderem Flecainid, Betablocker und Amiodaron. Die Dauer der empfohlenen Einnahme variiert je nach Klinik.

Für ein wenig mehr Klarheit will in diesem Punkt jetzt das Kompetenznetz Vorhofflimmern sorgen: "Wir starten demnächst eine deutschlandweite Multicenterstudie mit 700 bis 800 Patienten", so Breithardt. Die Teilnehmer erhalten nach erfolgreicher Kardioversion entweder gar keine spezifische Pharmakotherapie oder 200 mg Flecainid, entweder für vier Wochen oder für sechs Monate.

Die Hypothese lautet, daß eine kurzzeitige antiarrhythmische Therapie mit Flecainid genauso effektiv ist wie die im Moment in der Praxis gebräuchlichere Dauerbehandlung. Sollte sich das bewahrheiten, könnte künftig auf eine Dauertherapie verzichtet, und ließen sich damit die Komplikationen der Antiarrhythmika-Therapie reduzieren.

Da mit einer Einnahme von Flecainid unter Umständen kardiale Probleme auftreten können, dürfen die Patienten, die an der Studie teilnehmen, keine schwere Herzerkrankung und keinen großen Myokardinfarkt in der Anamnese haben. Betablocker können zusätzlich eingenommen werden, wenn die Grunderkrankung das erfordert.

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