Ärzte Zeitung, 02.06.2006

VORHOFFLIMMERN

Bei Vorhofflimmern ist nicht immer eine Kardiokonversion nötig

Vorhofflimmern gehört mit zu den Erkrankungen, die immer häufiger werden - bedingt durch einen höheren Anteil alter Menschen in der Gesellschaft. Eine Kardiokonversion ist vor allem bei symptomatischen Patienten nötig. Dr. Heinrich Wieneke vom Westdeutschen Herzzentrum in Essen erläutert, worauf es bei der Therapie ankommt.

   
Dr. Heinrich Wieneke: Der Sinusrhythmus muß nicht um jeden Preis wieder hergestellt werden. Foto: Privat  
 

"Beim Vorhofflimmern hat sich die Inzidenz zwischen 1984 und 1994 verdoppelt", so Wieneke in seinem Online-Vortrag "Vorhofflimmern".

Man muß heute quasi von zwei neuen Epidemien im kardiovaskulären Bereich ausgehen: der Herzinsuffizienz und dem Vorhofflimmern. Dabei ist Letzteres primär eine Alters-Erkrankung: Neun Prozent der über 80jährigen haben Vorhofflimmern.

Doch worauf kommt es bei der Therapie an? Wieneke macht in seinem Vortrag deutlich, daß eine Wiederherstellung des Sinusrhythmus durch elektrische oder pharmakologische Kardiokonversion nicht um jeden Preis erreicht werden muß.

Sie ist vor allem bei symptomatischen Patienten nötig, die unter Müdigkeit und herabgesetzter Leistungsfähigkeit leiden. So hat etwa die AFFIRM-Study ergeben, daß nach fünf Jahren die Prognose der Patienten mit alleiniger Kontrolle der Ventrikelfrequenz ähnlich war wie die der Patienten mit Kardiokonversion.

Und wie läßt sich vermeiden, daß es immer wieder zum Vorhofflimmern kommt? Hier sind Propafenon, Amiodaron und Betablocker wie Sotalol nach Ansicht von Wieneke die Mittel der Wahl. Mit ihnen kann die Rezidivrate innerhalb eines Jahres um gut die Hälfte verringert werden.

Eine Ärztin legt bei einem Patienten ein Langzeit-EKG an. Damit läßt sich ein Vorhofflimmern gut erfassen. Foto: klaro

Ohne Therapie beträgt die Rezidivrate hingegen 80 Prozent. Die Wahl der am besten geeigneten Substanz hängt wesentlich davon ab, ob kardiale Vorerkrankungen bestehen.

So ist nach Empfehlungen der amerikanischen und europäischen Gesellschaften für Kardiologie für Patienten mit Herzinsuffizienz vor allem Amiodaron geeignet, bei KHK ist hingegen eher ein Betablocker wie Sotalol indiziert.

Wieneke weist auch darauf hin, daß außer der Rezidivprophylayxe eine Antikoagulation für viele Patienten mit Vorhofflimmern erforderlich ist.

Denn: "Eine ganz wesentliche Komplikation des Vorhofflimmerns ist der Schlaganfall!" Da vor allem alte Patienten gefährdet seien, profitierten diese auch am meisten von einer Antikoagulation. Das Alter ist daher auch ein wesentliches Kriterium, wann zur antithrombotischen Therapie ASS genügt oder wann Phenprocoumon ratsam ist. (run)

Den Vortrag finden Sie bei www.qaef-akademie.de unter "aktuelle Vorträge" - "Kardiologie" - "Vorhofflimmern".

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