Ärzte Zeitung, 02.05.2007

Vorhofflimmern - Jeder zweite Patient bekommt ein Rezidiv

Episoden sind meist asymptomatisch / Risiko-Patienten benötigen dauerhafte Antikoagulation / Sechs-Punkte-Skala hilft bei der Indikationsstellung

MANNHEIM (ner). Drei von vier Vorhofflimmer-Episoden sind asymptomatisch. Wenn also nach einer Therapie keine Symptome mehr auftreten, dürfe deshalb nicht schon von einer Heilung ausgegangen werden, erinnerte Privatdozent Paulus Kirchhof beim Kardiologenkongress in Mannheim.

Kirchhof machte bei einem vom Unternehmen Sanofi-Aventis unterstützten Satellitensymposium auf die hohe Rezidivrate bei Vorhofflimmern aufmerksam: Zehn Prozent aller Patienten bekämen innerhalb eines Jahres nach der ersten Episode ein Rezidiv, nach fünf Jahren sind es 50 Prozent. Gefährdet sind vor allem alte Patienten sowie Patienten mit strukturellen Herzschäden. Als Therapieerfolg muss man nach Kirchhofs Angaben bereits die Zeitverschiebung der Rezidive nach hinten ansehen, vor allem um embolische Schlaganfälle zu verhindern.

Im Wesentlichen beruht die Therapie bei Vorhofflimmern heute auf drei Säulen: der Antikoagulation, der Regulation der Herzfrequenz bei permanentem Vorhofflimmern und der Erhaltung des Sinusrhythmus.

Bei der Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten sollte ein INR-Wert zwischen 2,0 und 3,0 erreicht werden. Allerdings benötigt nicht jeder Patient eine dauerhafte Antikoagulation. Als gute Faustregel könne zur Indikationsstellung der CHADS*2-Score herangezogen werden, sagte Kirchhof. Ab einem Punkt sei die Indikation zumindest bedenkenswert, ab zwei Punkten sei sie gegeben. Der Score setzt sich aus folgenden Parametern zusammen:

Herzinsuffizienz (ein Punkt), Hypertonie (ein Punkt), Alter über 75 Jahre (ein Punkt), Diabetes mellitus (ein Punkt), früherer Schlaganfall oder TIA (zwei Punkte). Es gibt also maximal sechs Punkte. Bei null Punkten ist die Medikation mit Acetylsalicylsäure angezeigt.

Ziel der Herzfrequenz-Regulation bei permanentem Vorhofflimmern ist ein Ruhepuls von 70 bis 80 pro Minute sowie ein adäquater Herzfrequenz-Anstieg unter Belastung bis etwa 130 pro Minute. Verwendet werden Betablocker, Kalziumantagonisten vom Verapamil-Typ, Digitalis und Amiodaron.

Vom Erhalt des Sinusrhythmus, etwa per elektrischer oder medikamentöser Kardioversion mit Antiarrhythmika, erhofft man sich lebensverlängernde Effekte, die bislang jedoch nicht nachweisbar waren. Hauptgrund, es dennoch zu versuchen, ist derzeit die verbesserte Lebensqualität. Methoden zum dauerhaften Erhalt des Sinusrhythmus fehlen noch.

*CHADS bedeutet Congestive Heart Failure, Hypertension, Age, Diabetes mellitus, Stroke

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