Ärzte Zeitung, 29.07.2010

Wann sollte zu elektrischer Kardioversion geraten werden?

Beschwerden nach zweijähriger Antiarrhythmika-Therapie: Kardioversion versuchen

BADEN-BADEN (ner). Bei persistierendem Vorhofflimmern kann trotz länger bestehender Vorbehandlung mit Antiarrhythmika der Versuch einer elektrischen Kardioversion unternommen werden. Das gilt gerade für symptomatische Patienten mit dem Behandlungswunsch.

Wann sollte zu elektrischer Kardioversion geraten werden?

Schlägt das Herz im richtigen Takt?

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Sollte ein Patient mit Vorhofflimmern (VhF) zum Beispiel nach ein- bis zweijähriger Antiarrhythmika-Therapie wieder über Beschwerden klagen und noch nie eine elektrische Kardioversion versucht worden sein, dann könne man durchaus einen solchen Versuch unternehmen. Das sagte Professor Ernst G. Vester aus Düsseldorf beim MedCongress in Baden-Baden. Unter Umständen gelingt es, damit den Patienten wieder in den Sinusrhythmus zu bringen. Abhängig ist dies jedoch von der Vorhofgröße. Bei Werten von über 60 ml in der Echokardiografie ist die Kardioversion nicht sinnvoll.

Die Rhythmuskontrolle ist prinzipiell angezeigt bei: erster VhF-Episode, persistierendem VhF, stark symptomatischem VhF. Gleiches gilt, wenn zum Beispiel die Herzfrequenz während der Flimmerepisode sehr hoch ist. Weitere Indikationen sind VhF bei Herzinsuffizienz sowie reversible Tachykardiomyopathien.

Die Frequenzkontrolle wird bei Patienten über 75 Jahren empfohlen und wenn das VhF keine oder allenfalls geringe Beschwerden auslöst. Zudem lassen sich Frauen und Bluthochdruck-Patienten oft schlecht in den Sinusrhythmus bringen, weshalb ebenfalls die Frequenzkontrolle erforderlich wird, ebenso bei großem VhF-Rezidivrisiko. Erste Wahl zur Frequenzkontrolle sind Betablocker. Kalziumantagonisten wie Verapamil und Diltiazem sind die Alternative. Kombinationen aus Digitalis-Präparaten mit Betablockern oder Kalziumantagonisten werden von Kardiologen nur in Ausnahmen praktiziert. Amiodaron kann bei unzureichenden Effekten der vorherigen Therapieversuche genutzt werden, da es gut frequenzverlangsamend wirkt.

"Wenn alles nichts hilft oder Nebenwirkungen auftreten, kann zunächst ein Schrittmacher implantiert werden und vier Wochen später wird der AV-Knoten abladiert", sagte Vester. Dadurch wird der Kammerrhythmus dann vom Schrittmacher geführt.

Bei schlechter Pumpfunktion ist es möglich, einen biventrikulären Schrittmacher zu implantieren, um zu vermeiden, dass der Patient über die Stimulation der Kammern in den Zustand einer Herzinsuffizienz gerät.

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