Direkt zum Inhaltsbereich

Hintergrund

Langzeit-EKG wäre nach Schlaganfall dringend nötig

Wie lange sollte nach ischämischem Schlaganfall per EKG auf Vorhofflimmern untersucht werden? Neue Daten zeigen, dass mindestens sieben Tage optimal wären. Doch in der Praxis lässt sich das nur in manchen Fällen auch umsetzen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Besteht Vorhofflimmern? Mit Hilfe eines Langzeit-EKGs lässt sich das klären.

Besteht Vorhofflimmern? Mit Hilfe eines Langzeit-EKGs lässt sich das klären.

© Klaro

Nach Schätzungen werden etwa 15 Prozent aller Schlaganfälle durch Vorhofflimmern verursacht, bei thromboembolischen Apoplexien ist daher eine besonders gründliche Untersuchung auf Vorhofflimmern nötig. Ein Teil der Patienten wird bereits in der Akutphase per EKG untersucht, hier fallen auch schon die meisten Patienten auf, bei denen der Herzrhythmus gestört ist.

Ein Viertel bis die Hälfte der Patienten mit Vorhofflimmern zeigt jedoch bei der Einweisung keine Herzrhythmus-Störungen - sie können allenfalls per Langzeit-EKG erfasst werden.

Die Frage ist: Wie lange sollte ein EKG angelegt werden um diese Patienten, die ohne Antikoagulation ein enormes Rezidiv-Risiko haben, zuverlässig herauszufiltern? So lässt sich mit dem üblichen 24-Stunden-EKG nur bei etwa vier Prozent der Schlaganfall-Patienten ein Vorhofflimmern detektieren, hat Dr. Rolf Wachter von der Uni Göttingen auf der Neurowoche in Mannheim berichtet, und das so Wachter, ist offenbar nicht ausreichend.

Der Kardiologe stellte in Mannheim Daten aus einer eigenen Studie mit über 280 Patienten nach ischämischem Schlaganfall vor. Bei 44 wurde schon bei der Aufnahme im EKG ein Vorhofflimmern nachgewiesen, die Übrigen erhielten ein Sieben-Tage-EKG.

Ergebnis: Das Langzeit-EKG konnten bei weiteren 28 Patienten - das waren 12,5 Prozent - ein Vorhofflimmern aufspüren, nach 24 Stunden war dies jedoch nur bei etwa vier Prozent der Fall gewesen. Die meisten der Patienten mit Vorhofflimmern wurden am dritten Tag im EKG auffällig, zu diesem Zeitpunkt hatten insgesamt bereits acht Prozent der Patienten einen auffälligen Herzrhythmus.

Für den Praxisalltag hält Professor Werner Hacke vom Uniklinikum Heidelberg solche Langzeit-EKGs jedoch kaum für praktikabel, nicht zuletzt, weil die Patienten meist nur drei bis vier Tage auf einer Stroke Unit sind und die Auswertung der EKGs sehr zeitaufwändig ist.

Da die Patienten jedoch während ihres stationären Aufenthalts meist kontinuierlich am EKG hängen, könnten diese Daten durch geeignete Programme und Geräte automatisch analysiert werden. So können viele EKGs Alarm schlagen, sobald ein Vorhofflimmern auftritt.

Damit kann man bis Tag Drei immerhin doppelt so viele Patienten mit Vorhofflimmern aufspüren wie mit einem 24-Stunden-EKG. Allerdings: Obwohl viele EKGs solche Warnfunktionen haben, ist es selbst auf Stroke Units bisher nicht immer üblich, diese auch zu nutzen.

Aus den Daten von Wachters Studie geht zudem hervor, dass vermutlich auch nach Tag Sieben noch neue Patienten mit Vorhofflimmern detektiert werden könnten. Derzeit wird eine Studie mit 450 Patienten geplant, die subkutan einen Detektor von der Größe eines USB-Sticks implantiert bekommen, der den Herzrhythmus zwei Jahre lang aufzeichnet. Die Daten können dabei telemedizinisch übertragen werden.

Ein weiteres Ergebnis aus Wachters Studie: Bei den Patienten mit Vorhofflimmern waren auch die Serumwerte des Biomarkers NT-proBNP erhöht, die meisten hatten Werte über 240 pg/ml. Hohe NT-proBNP sind der bislang beste Prädiktor dafür, innerhalb von 20 Jahren ein Vorhofflimmern zu entwickeln.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Herzbericht 2026

Das sind die aktuellen Trends in der Herzmedizin

Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo Beyond Imaging

© Beyond

Beyond Imaging

KI-gestützte Prostata- und Kopf-MRT

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Diagnostic Results

© Diagnostic Results

Bioeksen

Molekulare PCR-Diagnostik am PoC

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert

Lesetipps