Ärzte Zeitung, 19.12.2010

Hintergrund

Wenn Patienten mit Defi oder Schrittmacher Sport treiben wollen, ist einiges zu beachten

Patienten mit Herzschrittmacher ohne strukturelle Herzerkrankung können nach individueller Beurteilung durchaus Sport treiben, gegebenenfalls sogar Wettkämpfe bestreiten. Die mechanische Integrität der Gerätesysteme darf jedoch nicht gefährdet sein. Auch ICD-Träger dürfen unter bestimmten Voraussetzungen Sport treiben.

Von Thomas Meißner

Wenn Patienten mit Defi oder Schrittmacher Sport treiben wollen, ist einiges zu beachten

Spaß auf der Loipe: Bei Schrittmacherträgern, die beschwerdefrei Sport treiben, sind auch hohe Belastungsintensitäten durchaus vertretbar.

© hero / fotolia.com

Gerade relativ junge Patienten mit elektrischen Implantaten zur Herzunterstützung stellen gelegentlich die Frage, ob und welche sportliche Betätigung mit welcher Intensität bei ihnen erlaubt sei.

Bei vier von zehn Patienten mit Herzschrittmacher ist weder die systolische Funktion des Herzens eingeschränkt, noch treten Herzinsuffizienz-Symptome auf. Es sei daher "sachlich nicht gerechtfertigt", beschwerdefrei Sport treibenden Schrittmacherträgern hohe Belastungsintensitäten zu verbieten, meint Privatdozent Dr. Michael Kindermann vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar in der "Zeitschrift für Sportmedizin" (2010; 61: 241). Zumindest dann, wenn in der jeweiligen Sportart das Gerät fehlerfrei funktioniert, keine Arrhythmien auftreten und die Herzfrequenz adäquat steigt.

Um dies nachzuweisen, empfiehlt der Kardiologe außer einer symptomlimitierten Ergometrie auch die EKG-Registrierung während des Sports. Damit ließen sich latente Schrittmacherfehlfunktionen aufdecken und Fehlprogrammierungen vermeiden. Bei körperlich aktiven Schrittmacherpatienten sollten entsprechend programmierbare Geräte ausgewählt werden, die den Herzfrequenzanstieg unter körperlicher Belastung ermöglichen, lautet Kindermanns Empfehlung an kardiologisch tätige Kollegen. Selbst leichter Tauchsport sei möglich, wenn die maximal zulässigen Druckbelastungen des gesamten Schrittmachersystems, also Aggregat und Elektroden, beachtet würden.

Anders sieht es allerdings bei Herzschrittmacherpatienten mit strukturellen Herzschäden aus, zum Beispiel bei koronarer Herzerkrankung (KHK) oder linksventrikulärer systolischer Dysfunktion. Bei ihnen dürfen frequenzadaptive Schrittmachersysteme nur mit Vorsicht und nach individuellen Tests genutzt werden. Dabei muss die maximal erzielte Sensorfrequenz unterhalb der Ischämieschwelle liegen.

Auch Patienten mit implantierbarem Kardioverter-Defibrillator (ICD) haben meist eine schwere strukturelle Herzerkrankung, meist eine KHK - aber nicht alle! "Etwa ein Fünftel aller ICD-Patienten weisen keine relevante linksventrikuläre Dysfunktion und keine Herzinsuffizienzsymptomatik auf", so Kindermann. Nichtkompetitives, leichtes körperliches Training könne daher im Einzelfall erlaubt werden. Das hängt auch vom Arrhythmie-Typ ab.

Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie zum Beispiel, die primärprophylaktisch den ICD erhalten haben, dürfen auf moderatem bis hohem Belastungsniveau laufen, Fahrrad fahren oder schwimmen.

Prinzipiell können körperliche Aktivitäten natürlich Arrhythmien und ICD-Entladungen triggern. Alle Aktivitäten, bei denen ein plötzlicher Bewusstseinsverlust mit hoher Eigen- oder Fremdgefährdung verbunden ist, kommen daher nicht infrage. Ebenso wenig Sportarten, bei denen die Implantate mechanisch beschädigt werden können, also Kontaktsportarten, aber auch Gewichtheben, Golf oder Tennis. Denn bei einseitig hoher Belastung der oberen Extremität werden Schrittmacher- und Defibrillatorsonden im Verlauf zwischen erster Rippe und Schlüsselbein unter Umständen geschädigt.

Ist das Bedürfnis, später weiter Sport treiben zu wollen, vor der ICD-Implantation bekannt, können gegebenenfalls die Seite der Implantation und der venöse Zugang individuell angepasst werden.

[20.12.2010, 07:12:35]
Dr. Ralf Hettich 
Vertragen Sie leichte sportliche Belastungen, vertragen Sie auch wieder Sex
Menschen, die sexuell aktiv waren bevor sie einen Herzinfarkt hatten, sind nach dem Herzinfarkt sehr verunsichert und trauen sich auch meistens nicht, mit ihrem Arzt darüber zu sprechen.

Das zeigten neuere Studien, die in den USA durchgeführt wurden. In einer Umfrage bei Herzinfarktpatienten, gaben nur die Hälfte der Männer und ein Drittel der Frauen an, dass sie mit ihrem Kardiologen über die Ungefährlichkeit von Sex nach dem Krankenhausaufenthalt gesprochen haben. Die Umfrage zeigt auch, dass die sexuellen Aktivitäten bei beiden – Männer und Frauen – in dem Jahr nach dem Herzinfarkt deutlich zurückgegangen sind.

Die meisten Menschen können jedoch nach einem Herzinfarkt wieder ein Sexleben haben und das sogar wenige Wochen nach einer weniger komplizierten Herzattacke. Sie sollten sich nur gut fühlen und in der Lage zu sein, sich moderat zu bewegen. Doch die meisten Menschen haben Angst davor eine weitere Herzattacke zu bekommen. Meist sind es nicht die Patienten, sondern deren Partner.

Aber, so berichten es Kardiologen, die Gefahr einen weiteren Herzinfarkt wegen Sex zu bekommen ist sehr gering und gar vernachlässigbar.

Die Wahrscheinlichkeit das Sex einen Herzinfarkt auslöst, liegt bei zwei Fällen von einer Million gesunden Menschen, die keine Herzerkrankung haben.

Bei Menschen mit einer Herzerkrankung steigt das Risiko auf einen bei 50.000 an, aber auch dies ist wirklich wenig. Und einen Nichtanstieg des Risikos bei Herzinfarktüberlebenden zeigte sich bei jenen, die regelmäßigen Sport betrieben.

Regelmäßiger Sport nach einem Herzinfarkt ist aus verschiedenen Gründen sehr wichtig. Und dies ist ein Grund mehr. Regelmäßiger Sport eliminiert gänzlich das Risiko eines Herzinfarkts, der mit sexuellen Aktivitäten zusammenhängt.

Mein Fazit: Kardiologen sind sich darüber einig, dass nach einem überstandenen Herzinfarkt Sex problemlos wieder möglich ist, sobald Sie als Herzinfarktpatient wieder leichte sportliche Belastungen vertragen.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt das Thema „Sexuelle Aktivitäten“ durch, denn nach einem überlebten Herzinfarkt wollen Sie auch wieder Ihre volle Lebensqualität erreichen. Und da gehört Sex einfach dazu.

Mit den besten Wünschen für eine erfüllte Sexualität

Ihr Dr. Ralf Hettich
Mailkontakt: info@ralfhettich.de zum Beitrag »

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