Ärzte Zeitung, 17.11.2011

Gicht-Arznei entpuppt sich als Antiarrhythmikum

Das "Gichtmittel" Colchicin hat bereits in der Vergangenheit mit einigen unerwarteten Ergebnissen überrascht. Auch beim jüngsten US-Herzkongress gab es Neues zu der Substanz.

Ein "Gichtmittel" entpuppt sich als Antiarrhythmikum

Modell des menschlichen Herzens.

© Roman Dekan / fotolia.com

ORLANDO (ob). Das "Gichtmittel" Colchicin zeigt sich schon wieder von einer neuen Seite: Nachdem erst jüngst eine sekundärpräventive Wirkung auf Perikarditis-Rezidive dokumentiert worden ist, scheint Colchicin auch postoperativem Vorhofflimmern nach einer Herz-Op vorbeugen zu können.

Eine italienische Forschergruppe um Dr. Massimo Imazio aus Turin hat in einer randomisierten placebokontrollierten Studie bei 360 herzoperierten Patienten untersucht, ob sich mit Colchicin ein Postkardiotomiesyndrom sowie Perikard- und Pleuraergüsse verhindern lassen.

Eine entsprechende Wirksamkeit konnte nachgewiesen werden.

Therapie ab dem 3. Tag nach Op

Auch die Auswirkungen auf die Inzidenz von Vorhofflimmern, das bei 30 bis 40 Prozent aller Patienten nach herzchirurgischen Eingriffen auftreten kann, standen im Blickpunkt.

Ergebnisse dieser Substudie hat Imazio jetzt beim Kongress der American Heart Association (AHA) in Orlando vorgestellt.

Am dritten postoperativen Tag wurde die Behandlung mit Colchicin oder Placebo begonnen und einen Monat lang fortgesetzt.

Risiko um fast die Hälfte reduziert

In dieser Zeit entwickelten in der Colchicin-Gruppe 12 Prozent und in der Placebo-Gruppe 22 Prozent aller Patienten ein Vorhofflimmern. Der Unterschied entspricht einer relativen Risikoreduktion von 45 Prozent.

Dieser Vorteil machte sich auch bei der Dauer des Aufenthalts auf der herzchirurgischen Station bemerkbar. Diese war unter der Colchicin-Therapie im Schnitt signifikant um einen Tag kürzer (9,4 versus 10,3 Tage).

Todesfälle und Schlaganfälle traten mit gleicher Häufigkeit auf (je 1,2 Prozent). Die Therapie erwies sich als sicher.

Weitere Studien geplant

Noch hält Imazio es für verfrüht, auf Basis dieser positiven Ergebnisse Colchicin schon jetzt in die präventive Routinebehandlung nach Herzoperationen aufzunehmen.

Zunächst sollten Wirksamkeit und vor allem Sicherheit dieser Therapie in weiteren Studien bestätigt werden.

Imazio und seine Kollegen selbst wollen in einer Studie testen, ob eine bereits 24 Stunden vor der Herz-Op begonnene Colchicin-Behandlung womöglich einen noch besseren antiarrhythmischen Schutz bietet.

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