Ärzte Zeitung, 20.06.2012

Kommentar

Kein Grund für neue Empfehlungen

Von Peter Overbeck

Müssen die Leitlinien nach aktuellen Studienergebnissen, wonach die Strategie der Rhythmuskontrolle bei Vorhofflimmern langfristig prognostische Vorteile hat, jetzt umgeschrieben werden? Wohl kaum.

Es ist nicht anzunehmen, dass die Ergebnisse dieser retrospektiven Analyse mit ihren bekannten methodischen Limitierungen in der Beweiskraft höher bewertet werden als Daten kontrollierter prospektiver Studien.

Vieles spricht dafür, dass die Unterschiede bei der Mortalität nicht auf die Behandlungsstrategie per se, sondern auf die damit verbundene Selektion bestimmter Patientengruppen zurückzuführen sind. Im Praxisalltag diktiert vor allem die Symptomatik die Wahl der Strategie. Da sind es bevorzugt jüngere, hochsymptomatische Patienten ohne relevante Begleiterkrankungen, bei denen sich für die Rhythmuskontrolle entschieden wird.

Bei älteren Patienten mit häufig bestehender Komorbidität fällt die Wahl eher auf die Frequenzkontrolle als Strategie. Bevor falsche Schlüsse gezogen werden, sollten die Ergebnisse laufender Vergleichsstudien abgewartet werden. Dazu zählt etwa die EAST-Studie, die vom Kompetenznetz Vorhofflimmern gemeinsam mit der European Heart Rhythm Association (EHRA) durchgeführt wird.

Lesen Sie dazu auch:
Rhythmuskontrolle - doch die bessere Strategie?

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