Ärzte Zeitung, 02.09.2012

Vorhofflimmern

Ein weltweites Problem

Vorhofflimmern ist eine globale Herausforderung. Weltweit stirbt jeder zehnte Patient im ersten Jahr nach der Diagnose.

Von Peter Overbeck

Ein weltweites Problem

MÜNCHEN. Vorhofflimmern ist eine wichtige Ursache für Morbidität und Mortalität in allen Teilen der Welt.

Eine Analyse von Daten aus einem weltweiten, 47 Länder umfassenden Register ergab: Innerhalb eines Jahres nach Diagnose starben im Schnitt 11,4 Prozent aller darin erfassten Patienten mit dieser Arrhythmie. Mehr als vier Prozent erlitten einen Schlaganfall.

Basis dieser von Dr. Jeff Healey aus Hamilton in Kanada beim Europäischen Kardiologenkongress in München präsentierten Ergebnisse bilden Daten aus dem prospektiven RE-LY-Register.

In dieses Register, das von Boehringer-Ingelheim unterstützt wird, sind in vielen Regionen der Welt - darunter Nord-und Südamerika, West-und Ost-Europa, Mittlerer Osten, Afrika, Indien, China und Südostasien - ingesamt 15.340 Patienten aufgenommen worden.

Ausgewählt wurden Personen, bei denen nach Präsentation in einer Notfallambulanz Vorhofflimmern diagnostiziert worden war - entweder als primäre Diagnose oder als sekundäre Diagnose bei Patienten, die wegen anderer Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Infektionen in die Notaufnahme kamen.

Die Raten für die 1-Jahres-Mortalität unterschieden sich je nach geografischer Region sehr deutlich. Im Vergleich zu West-Europa oder Nord-Amerika waren die Sterberaten besonders in Lateinamerika und Afrika erheblich höher.

Große Unterschiede bei Mortalität

Je nachdem, ob Vorhofflimmern primäre (in 44 Prozent) oder sekundäre Diagnose (in 56 Prozent der Fälle) war, zeigten sich ebenfalls große Unterschiede bei der Mortalität.

So war die Sterberate nach einem Jahr bei Patienten mit Vorhofflimmern als primärer Diagnose wesentlich niedriger als bei Patienten, bei denen die Arrhythmie im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen disgnostiziert wurde.

Die Rate betrug zum Beispiel in Nord-Amerika 4 Prozent (primäre Diagnose) versus 16 Prozent (sekundäre Analyse), in Afrika 12 Prozent versus 22 Prozent.

Häufigste Todesursache bei Patienten mit sekundär diagnostiziertem Vorhofflimmern war Herzinsuffizienz (34 Prozent), gefolgt von Infektionen (12 Prozent) und Schlaganfall (9,5 Prozent).

Relativ am höchsten war der Anteil der Herzinsuffizienz an den Todesursachen mit etwa 40 Prozent in den Regionen Ost-Europa, Afrika, Indien und Asien.

Auch die Häufigkeit von Schlaganfällen variierte je nach Region. So war die Apoplexrate mit 6 bis 8 Prozent in Afrika, China und Südostasien deutlich höher als in den anderen Teilen der Welt, berichtete Healey.

In den meisten Regionen lag das Durchschnittsalter der Patienten bei etwa 70 Jahren. Ausnahmen bildeten Indien, Afrika und der Mittlere Osten, wo die Patienten mit Vorhofflimmern im Schnitt zehn und mehr Jahre jünger waren.

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