Ärzte Zeitung, 16.04.2013

Vorhofflimmern

Risiko durch körperliche Aktivität?

Sportliche Extrembelastung kann zu Vorhofflimmern führen. Wer sich als Normalmensch regelmäßig körperlich bewegt, hat dagegen kein erhöhtes Risiko zu befürchten.

Risiko durch körperliche Aktivität?

Ausdauersport: Extreme Belastung geht aufs Herz.

© Wilsons / fotolia.com

WEST ROXBURY. Ausdauersport gilt als gesundheitsfördernd für Herz und Gefäße. Doch auch hier scheint zu gelten, dass die Wirkung von der Dosis abhängt. In extremem Maß betrieben, kann körperliche Bewegung das Herz offenbar leicht aus dem Takt bringen.

In Studien ist jedenfalls wiederholt gezeigt worden, dass Vorhofflimmern bei Ski-Langläufern oder Marathon-Sportlern mit extrem hohem Laufpensum gehäuft vorkommt.

Davon, dass regelmäßige körperliche Aktivität von relativ normaler Intensität das Risiko für Vorhofflimmern erhöht, ist eher nicht auszugehen. Aber gibt es dafür auch wissenschaftliche Belege?

Diese Frage hat US-Forscher um Dr. Peter Ofman aus West Roxbury dazu bewogen, gezielt die wissenschaftliche Literatur zu durchforsten und die ermittelten Studiendaten in eine Metaanalyse einfließen zu lassen (Circ Arrhythm Electrophysiol 2013, online 20. März).

Vier die Qualitätsanforderungen erfüllende prospektive Studien hat die Gruppe ausfindig gemacht, in denen jeweils die Beziehung zwischen körperlicher Aktivität und dem Auftreten von Vorhofflimmern untersucht worden war.

Mehr als 95.000 Personen waren daran beteiligt, deren Nachbeobachtung sich über Zeiträume zwischen 5,7 und 14,4 Jahren erstreckte.

Keine große Überraschung

In allen vier Studien hatten die Untersucher die Teilnehmer je nach Ausmaß ihrer körperlichen Aktivität in vier oder fünf Subgruppen eingeteilt.

Ofman und seine Kollegen nutzen für ihre Metaanalyse jeweils die Daten der beiden "Extrem-Gruppen", also derjenigen Teilnehmer, die in Sachen körperliche Bewegung entweder am passivsten oder am aktivsten waren. Daten von knapp 43.700 Personen kamen so zusammen.

Ergebnis: Ein Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Auftreten von Vorhofflimmern war nicht zu erkennen. Bewegungsfreudige Personen hatten kein signifikant höheres Arrhythmie-Risiko als ihre bewegungsfaulen Zeitgenossen.

Eine große Überraschung ist das nicht. Eher verwundert die Tatsache, dass das Risiko für Vorhofflimmern bei den körperlich aktiveren und fitteren Personen nicht niedriger war als bei Personen, die sich nur wenig bewegten.

Denn, wie die Autoren selbst zurecht bemerken: Körperliche Aktivität kann Körpergewicht und Blutdruck senken und das Diabetes-Risiko verringern - was sich auf die Inzidenz von Vorhofflimmern eigentlich positiv auswirken sollte. (ob)

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