Direkt zum Inhaltsbereich

Katheterablation

Wenn der Eingriff am Herzen aufs Hirn schlägt

Schlaganfälle und vor allem stumme Infarkte sind keine Seltenheit nach einer Katheterablation bei Vorhofflimmern. Möglicherweise kann eine bessere Antikoagulation solche Komplikationen verhindern.

Veröffentlicht:
Ein Katheter wartet auf seinen Einsatz im Vorhof.

Ein Katheter wartet auf seinen Einsatz im Vorhof.

© Mathias Ernert

HANNOVER. Gerade bei relativ jungen Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern wird häufig per Katheterablation die fehlerhafte Erregungsleitung blockiert - in Deutschland etwa 45.000-mal pro Jahr, so Privatdozent Karl Georg Häusler von der Neurologie der Charité Berlin.

In der Regel werden dabei per Hochfrequenzstrom Läsionen im linken Vorhof gesetzt, um Trigger des Vorhofflimmerns zu eliminieren oder ein Ausbreiten der fehlerhaften Erregung zu verhindern.

Dafür sind meist mehrere Ablationen nötig, denn nach dem ersten Eingriff ist der Sinusrhythmus bei den wenigsten Patienten dauerhaft stabil, erklärte Häusler während der Arbeitstagung Neurologische Intensivmedizin (ANIM) in Hannover.

Auch wenn die Ablation ausgewählten Patienten viele Vorteile bringt - nicht zuletzt für das Gehirn sollten jedoch die möglichen Schäden bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden, zumal dann, wenn mehrere Kathetereingriffe nötig sind, um das Therapieziel zu erreichen.

Der Neurologe verwies auf eine kürzlich veröffentlichte Register-Analyse, die Daten von etwa 20 Prozent aller Kliniken der USA berücksichtigt (Circulation 2013; 128: 2104-2112).

Für die Analyse sind knapp 94.000 Katheterablationen aus den Jahren 2000 bis 2010 ausgewertet worden. Danach kam es bei knapp 6,3 Prozent der Eingriffe zu therapiebedingten Komplikationen. Als Risikofaktor dafür erwies sich ein hohes Alter der Patienten - bei den über 80-Jährigen war die Komplikationsrate mit 9,5 Prozent etwa doppelt so hoch wie bei den unter 65-Jährigen.

Stumme Infarkte bei bis zu 40 Prozent

Aber auch die Erfahrung der Ärzte mit dem Verfahren war entscheidend: Bei mehr als 50 Eingriffen pro Jahr war die Komplikationsrate am geringsten.

Etwa 0,4 Prozent der Patienten starben infolge des Eingriffs und ebenso viele erlitten einen Herzinfarkt. Für Neurologen interessant: Mit einem Prozent war die Schlaganfallrate relativ hoch. Als Ursache nannte Häusler die hohe Thrombogenität des Katheters mit seiner erhitzten Spitze, die Gefahr von Luftembolien bei der Prozedur und die Läsionen selbst, die zu einer Thrombozytenaktivierung führen.

Doch nicht nur die klinisch manifesten TIA und Schlaganfälle sind eine Gefahr: Bei etwa 40 Prozent der Patienten konnten Häusler und Mitarbeiter von der Charité in einer eigenen Studie mithilfe eines 3-Tesla-MRT nach einer Katheterablation zerebrale Läsionen feststellen.

Ähnliche Befunde hätten auch andere Arbeitsgruppen ermittelt, wobei die Läsionsrate mit gekühlten Elektroden oder Kryoverfahren deutlich geringer zu sein scheint.

Bei den Läsionen handelt es sich in der Regel um sehr kleine über den ganzen Kortex verteilte stumme Infarkte. Ob diese Läsionen wirklich stumm sind, wird aber noch diskutiert. So zeigten einige kleinere Studien Hinweise auf kognitive Beeinträchtigungen im Arbeitsgedächtnis. Häusler selbst fand bei den Patienten seiner Studie dagegen keine kognitiven Einschränkungen. Hier seien wohl noch größere Studien nötig.

Unklar ist auch, wie sich das erhöhte Schlaganfallrisiko am besten senken lässt. Häusler nannte erste Studien, nach denen eine orale Antikoagulation zusätzlich zur periinterventionellen Heparinisierung das Risiko für einen ischämischen Infarkt offenbar gut senkt, ohne das Blutungsrisiko nennenswert zu erhöhen.

Um das zu klären, seien jedoch noch größere randomisierte Studien nötig, vor allem zu den neuen oralen Antikoagulanzien. Hier könnte die Zahl der per MRT gemessenen stummen Infarkte mitunter als Surrogat-Parameter dienen, sagte der Neurologe. (mut)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Risiko einschätzen und Lebensstil ändern

Diabetes und Vorhofflimmern: Das hilft gegen die gefährliche Kombi

Sonderbericht

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim

Gegen Über- und Unterversorgung

„Klug entscheiden“-Empfehlung zu Vorhofflimmern: Das steht drin

Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rauchjahre statt Packungsjahre

Lassen sich die Kriterien fürs Lungenkrebs-Screening vereinfachen?

Lesetipps
Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram

Manche Menschen mit Adipositas haben ein vergleichsweise günstiges kardiovaskuläres Risikoprofil: offenbar vor allem diejenigen mit weniger zentraler Fettansammlung. (Symbolbild mit Fotomodell)

© sam richter / stock.adobe.com

Mega-Analyse

BMI ade? Beim kardiovaskulären Risiko kommt es auf das Bauchfett an