Ärzte Zeitung, 24.05.2016

Geriatrie

Eventrekorder klärt Stürze ab

Ungeklärte Stürze und Synkopen älterer Menschen gehen offenbar zu einem erheblichen Teil auf kardiale Arrhythmien zurück. Dies ist das Ergebnis einer Studie, in der Probanden mit Stürzen in der Vorgeschichte ein Ereignisrekorder implantiert worden war.

Von Robert Bublak

DUBLIN. Stürze sind eine häufige Ursache für Verletzungen von Senioren: Folgt man den in der medizinischen Literatur publizierten Ergebnissen, handelt es sich dabei um den Hauptgrund, weshalb ältere Menschen eine Notfallambulanz aufsuchen.

So klar die Folgen solcher Unfälle von Frakturen bis hin zum Tod sind, so schwer ist es oft, einen Auslöser für die Stürze eines bestimmten Patienten zu identifizieren.

Kardiale Arrhythmien zu selten diagnostiziert

Ein möglicher Sturzauslöser sind kardiale Arrhythmien - und nach Überzeugung des Gerontologen Dr. Jaspreet Bhangu vom Trinity College in Dublin und seiner Kollegen ein zu selten diagnostizierter. Um diese Hypothese zu prüfen, nahmen die Mediziner 70 Sturz-Patienten im mittleren Alter von 70 Jahren in eine Studie auf (Heart 2016; 102: 681).

Alle Probanden hatten im vorangehenden Jahr mindestens zweimal wegen eines Sturzes eine Notaufnahme aufsuchen müssen. Sie waren sämtlich auf ursächliche Faktoren wie etwa orthostatische Hypotonie, Karotissinussyndrom, vasovagale Synkopen, Sinusbradykardie, AV-Block verschiedener Grade und supraventrikuläre Tachykardien untersucht worden - ohne Ergebnis.

Eventrekorder subkutan implantiert

Um eine längerfristige Suche nach kardialen Sturzauslösern zu ermöglichen, implantierten die Ärzte den Patienten einen Ereignisrekorder subkutan in die linke Parasternalregion. Im Durchschnitt verstrichen 47 Tage, bis die Geräte in der Größe eines kleinen USB-Sticks ein relevantes Ereignis erfassten (Spanne: 1-190 Tage). Die gesamte Nachbeobachtungszeit mit Rekorder betrug im Mittel 9 Monate (Spanne: 6-12 Monate).

Kardiale Arrhythmien entdeckten die eingepflanzten Geräte bei 50 Patienten (rund 71 Prozent), darunter Vorhofflimmern (4 Patienten), supraventrikuläre Tachykardien (12) sowie Bradykardien (34). Bei 14 Patienten (20 Prozent) ereignete sich zeitgleich mit der Rhythmusstörung ein Sturz beziehungsweise eine Synkope.

10 dieser Patienten (14 Prozent) wurden aufgrund einer Bradykardie oder Asystolie mit einem Herzschrittmacher versorgt, 4 (6 Prozent) mussten wegen einer supraventrikulären Tachykardie behandelt werden. 36 Patienten (51 Prozent) zeigten in den Aufzeichnungen des Ereignisrekorders Arrhythmien, die nicht unmittelbar mit Stürzen oder Ohnmachten zusammenhingen.

Bei jedem Fünften ließ sich Sturz mit Arrhythmie erklären

Mittelbar waren aber auch diese Rhythmusstörungen signifikant mit Stürzen assoziiert. Von den insgesamt 36 Patienten mit Stürzen oder Synkopen während der Nachbeobachtungszeit ohne unmittelbare kardiale Ursache hatten 30 einen solchen Arrhythmienachweis.

"Jeder fünfte Studienpatient, der Stürze aus zuvor ungeklärter Ursache erlitten hatte, wies eine Arrhythmie auf, mit der sich die Sturzunfälle erklären ließen", resümieren Bhangu und Mitarbeiter ihre Ergebnisse. Generell gehe die Diagnose einer Arrhythmie, sei sie sturzassoziiert oder nicht, mit einem höheren Risiko für weitere Stürze einher.

 Ob die frühzeitige Diagnose von sturzauslösenden Rhythmusstörungen mithilfe eines implantierbaren Ereignisrekorders dazu beitrage, künftige Stürze der betroffenen Patienten zu verhindern, sei dringend zu erforschen.

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