Ärzte Zeitung, 02.12.2016

Kardioversion

Wie geeignet ist Sotalol?

Sotalol ist zur Kardioversion ähnlich wirksam wie Amiodaron und Klasse-IAntiarrhythmika. Nur hochdosiertes Ibutilid verspricht nach Daten einer Metaanalyse noch höhere Konversionsraten.

Von Thomas Müller

BOSTON. Das Antiarrhythmikum Sotalol hat sich zur Erhaltung des Sinusrhythmus nach erfolgreicher Kardioversion bewährt. Wie gut sich das Mittel zur pharmakologischen Konversion einer Herzrhythmusstörung eignet, sei jedoch weniger klar, berichten Kardiologen um Dr. David Milan vom Massachusetts General Hospital in Boston. Anhand einer Metaanalyse von zehn klinischen Studien mit der Arznei wollten die Forscher den Stellenwert des Medikaments für die Kardioversion bei Vorhofflimmern (VHF) besser einordnen (Cardiology 2017; 136: 52–60).

Insgesamt 1700 Studienteilnehmer

An den Studien hatten 1700 VHFPatienten teilgenommen, alle Studien waren prospektiv, neun randomisiert. Zwei prüften Sotalol zur Kardioversion gegen Placebo oder keine Behandlung. In beiden Studien waren die Patienten schon relativ lange vor dem Therapieversuch erkrankt. Die Konversionsrate mit dem Betablocker lag bei 22 Prozent, mit Placebo oder ohne Therapie unter 1 Prozent. Mit Sotalol gelang die Konversion 24-fach häufiger als in den Kontrollgruppen.

In drei Studien musste sich Sotalol einem Vergleich mit Chinidin stellen. Die Patienten waren hier höchsten einige Monate erkrankt. Mit Sotalol ergaben sich Konversionsraten zwischen 20 und 52 Prozent, mit Chinidin zwischen 60 und 86 Prozent. Unterm Strich war Sotalol etwa ein Drittel weniger wirksam als Chinidin, der Unterschied war jedoch nicht signifikant. Unter Chinidin traten etwas häufiger Proarrhythmien auf (21 versus 7 Prozent).

Keine nennenswerten Unterschiede ergaben Studien mit Klasse-I-Antiarrhythmika in der Vergleichsgruppe. Eine Studie mit Procainamid führte zu fast identischen Konversionsraten (70 versus 67 Prozent unter Sotalol), dies war auch in einer Studie mit Disopyramid der Fall. Eine weitere Studie mit der Substanz deutete auf einen nicht signifikanten Vorteil für Sotalol.

Jeweils eine Konversionsrate von 67 Prozent wurden in beiden Gruppen einer Vergleichsstudie mit Propafenon erzielt, auch der Vergleich mit einem weiteren Klasse-IC-Vertreter ergab keine signifikanten Unterschiede: In zwei Studien mit Flecainid variierte die Konversionsrate zwischen 17 und 52 Prozent, mit Sotalol waren es 23 bis 67 Prozent.

Wurden die Daten aller Klasse-I-Substanzen zusammengefasst, ergaben sich praktisch keine Wirksamkeitsunterschiede zu Sotalol. Allerdings waren die einzelnen Studien zum Teil sehr klein, was dazu führte, dass sich kaum signifikante Unterschiede ermitteln ließen.

Eine weitaus breitere Datenbasis gibt es zum Vergleich mit Amiodaron. An insgesamt fünf Studien hatten rund 1000 Patienten teilgenommen, also das Gros der Patienten dieser Metaanalyse. Unterm Strich war Sotalol 5 Prozent weniger wirksam als Amiodaron –auch diese Differenz war nicht statistisch auffällig.

Dreiarmige Vergleichsstudie

Interessant ist eine dreiarmige Vergleichsstudie mit Ibutilid: 82 Patienten bekamen 1,5 mg/kg KG Sotalol, 83 erhielten 1 mg Ibutilid, und bei 86 waren es 2 mg, jeweils i.v. über zehn Minuten. Mit Sotalol konvertierten innerhalb einer Stunde 9 Prozent, mit 1 mg Ibutilid 11 Prozent und mit 2 mg der Substanz 44 Prozent. Danach wäre zumindest die 2-mg-Dosierung signifikant wirksamer. Allerdings gab es damit auch gehäuft Proarrhythmien.

Aus der Analyse schließen die Kardiologen um Milan, dass oral und i.v. verabreichtes Sotalol ähnlich gut wirksam ist wie Klasse-1A- und Klasse-IC-Antiarrhythmika oder Amiodaron. Lediglich Ibutilid könnte in höherer Dosierung noch deutlich wirksamer sein. Die Substanz ist aber in Deutschland nicht verfügbar.

Sotalol im Vergleich

Placebo / keine Behandlung: Mit Sotalol gelang die Konversion 24-fach häufiger.

Chinidin: Sotalol war etwa ein Drittel weniger wirksam, der Unterschied war nicht signifikant.

Klasse-I-Antiarrhythmika: Wurden die Daten aller Klasse-I-Substanzen zusammengefasst, ergaben sich praktisch keine Wirksamkeitsunterschiede zu Sotalol.

Amiodaron: Sotalol war 5 Prozent weniger wirksam als Amiodaron – diese Differenz war nicht statistisch auffällig.

Ibutilid: Mit Sotalol konvertierten innerhalb einer Stunde 9 Prozent, mit 1 mg Ibutilid 11 Prozent und mit 2 mg Ibutilid 44 Prozent der VHF-Patienten. Danach war Ibutilid in der 2-mg-Dosierung signifikant wirksamer.

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