Ärzte Zeitung, 27.08.2004

Knöchel-Arm-Index ist gutes Prognose-Kriterium

Beinschmerzen lassen auf eine baldige Verminderung der Gehstrecke schließen / Studie mit über 600 Patienten

CHICAGO (Rö). Bei arterieller Verschlußkrankheit sind ein niedriger Wert des Knöchel-Arm-Indexes und bereits beim Laufen vorhandene Schmerzen eindeutige Prädiktoren dafür, daß Patienten schon in wenigen Jahren nur noch kurze Strecken schmerzfrei bewältigen können.

Das hat eine Studie von Dr. Mary McGrae Mc Dermott von der Universität von Chicago in den USA ergeben ("JAMA" 292, 2004, 453). Ziel der Studie der US-Kollegin war es, zu ermitteln, inwieweit Blutdruckmessungen am Knöchel (mit Dopplersonographie) und am Arm zur Errechnung des Knöchel-Arm-Indexes sowie spezifische Beinschmerzen eine Vorhersage zulassen, daß Patienten in zwei Jahren schlechter laufen können.

In die prospektive Kohortenstudie wurden 676 Patienten ab 55 Jahren aufgenommen. Bei etwa zwei Drittel von ihnen war schon vorher eine arterielle Verschlußkrankheit (AVK) bekannt. Zu Beginn der Studie und nach zwei Jahren wurde gemessen, wie weit die Teilnehmer innerhalb von sechs Minuten gehen konnten. Für eine AVK diente als objektives Kriterium der Knöchel-Arm-Index (ABI). Sein Wert war mit der Abnahme der Gehstrecke korreliert.

Bei Studienteilnehmern mit einem ABI unter 0,5, der einer ausgeprägten AVK entspricht, nahm die Laufstrecke pro Jahr um 25 Meter ab, bei einem ABI zwischen 0,5 und 0,9 waren es 20 Meter und bei höheren ABI-Werten, die nicht auf eine AVK schließen lassen, waren es nur vier Meter. Es wurde errechnet, daß Studienteilnehmer mit einem ABI unter 0,5 ein 13-fach erhöhtes Risiko hatten, nach zwei Jahren nicht mehr sechs Minuten lang schmerzfrei am Stück laufen zu können.

Prognostisch bedeutsam war auch der Unterschied bei Menschen mit und ohne Beinschmerzen beim Laufen. Bei Patienten mit Beinschmerzen nahm die Gehstrecke um 34 Meter ab, ohne Beinschmerzen nur um drei Meter. Fazit der Kollegin: Der ABI sollte zur Erkennung von Risiko-Patienten mehr genutzt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »