Ärzte Zeitung, 17.05.2004

Mit dem Kalkulator läßt sich das Schlaganfall-Risiko rasch ermitteln

Alter und Blutdruck sind wichtige Kriterien / Weitere Faktoren werden berücksichtigt

NEU-ISENBURG (Rö). "Suchen Sie das Risiko!" heißt eine Aktion, die in diesen Tagen und Wochen in Arztpraxen läuft. Hausärzte bestimmen dabei anhand klassischer Risikofaktoren, wie hoch die Gefährdung ihrer Patienten ist, einen Schlaganfall zu erleiden. Diese Präventionsaktion nützt nicht nur den Patienten direkt.

Die Aktion trägt auch dazu bei, daß in Zukunft noch mehr gegen den Schlaganfall getan werden kann. Denn für jeden Risikoprozentpunkt, der von Ärzten gefunden wird, zahlt das Unternehmen MSD einen Euro-Cent an die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

Ärzte, die bei der Aktion mitmachen, bestimmen bei ihren Patienten, wie stark diese gefährdet sind, innerhalb des nächsten Jahrzehnts einen Schlaganfall zu bekommen.

Ermittelt wird diese Gefährdung mit Hilfe eines einfachen Schlaganfallkalkulators in Form einer Karte. Auf der aufklappbaren Karte findet man typische Schlaganfall-Risikofaktoren. Die eine Hälfte der Karte ist für die Auswertung bei Männern, die andere für die Auswertung bei Frauen bestimmt. Grundlage für das Punktsystem ist der sogenannte d’Agostini-Score, ein Score, der auf Daten aus der bekannten Framingham-Studie beruht.

Für die einzelnen Schlaganfall-Risikofaktoren werden Punkte vergeben. Aus der Gesamtzahl der Risikopunkte läßt sich dann das prozentuale Risiko ablesen, in zehn Jahren einen Schlaganfall zu bekommen.

Die berechneten Risikoprozente werden dann anonymisiert und in Auswertungsbögen übertragen, die über das Unternehmen MSD zu beziehen sind.

Das Unternehmen spendet dann für jedes Prozent Risiko, das die Ärzte melden, einen Euro-Cent an die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe.

In einer Studie des Institutes für Praxisforschung im Deutschen Hausärzteverband wurde bereits im vergangenen Jahr bei 46 600 Hypertonikern mit dem Schlaganfall-Risikokalkulator das Zehn-Jahres-Schlaganfall-Risiko überprüft. Dabei bestätigte sich, wie bereits in anderen Studien, daß die Blutdruckeinstellung immer noch zu wünschen übrig läßt. Nur bei 30 Prozent der Hypertoniker lag der Blutdruck unter 140 zu 90 mmHg.

Entsprechend hohe Schlaganfall-Risiken wurden bei den Patienten ermittelt. Nach der Berechnung mit dem Risikokalkulator hatten von den 80jährigen 93 Prozent, von den 70- bis 79jährigen 71 Prozent, von den 60- bis 69jährigen 42 Prozent, von den 50- bis 59jährigen 20 Prozent und von den 20- bis 49jährigen etwa acht Prozent eine Wahrscheinlichkeit von über 20 Prozent, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Schlaganfall zu erleiden.

Kalkulator für das Schlaganfallrisiko von Frauen
Beurteilung des Schlaganfallrisikos nach Alter, dem Wert des systolischen arteriellen Blutdrucks und weiteren Risikofaktoren
Punkte
0
+1
+2
+3
+4
+5
+6
+7
+8
+9
+10
Alter
54-56
57-59
60-62
63-64
65-67
68-70
71-73
74-76
77-78
79-81
82-84
+entweder/oder
unbehandelter systolischer arterieller Blutdruck      
95
bis
106
107 bis
118
119
bis
130
131
bis
143
144
bis
155
156
bis
167
168 bis
180
181 bis
192
193 bis
204
205 bis
216
behandelter systolischer arterieller Blutdruck  
95
bis
106
107 bis
113
114
bis
119
120
bis
125
126
bis
131
132
bis
139
140 bis
148
149 bis
160
161 bis
204
205 bis
216
+weitere Risikofaktoren
Diabetes mellitus 3 Punkte Kardiovaskuläre Erkrankung
  • Myokardinfarkt
  • und/oder koronare Herzkrankheit (KHK)
  • und/oder periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • und/oder Herzinsuffizienz
2 Punkte
Rauchen 3 Punkte
Vorhofflimmern 6 Punkte
Linksventrikuläre Hypertrophie (LVH) 4 Punkte
= Risikopunkte gesamt
Berechnung des Schlaganfallrisikos (%)
Gesamtpunktzahl
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
Prozent
1
1
2
2
2
3
4
4
5
6
8
9
11
13
16
19
23
27
32
37
43
50
57
64
71
78
84
 
prozentuales Risiko, innerhalb von 10 Jahren einen Schlaganfall zu erleiden
So sieht der Kalkulator für das Schlaganfallrisiko bei Frauen aus. Der Score, der bei dem Schlaganfall-Risikokalkulator verwendet wird, beruht auf Daten aus der bekannten Framingham-Studie. Er ist bereits 1994 in der Zeitschrift "Stroke" veröffentlicht worden. Erstes Kriterium zur Beurteilung des Schlaganfall-Risikos ist dabei das Alter. Je älter ein Patient ist, desto höher ist sein Risiko. Den ersten Punkt gibt es für Patienten ab 57 Jahren. Mit zunehmendem Alter steigt die Punktzahl. Bei einem 70jährigen Mann werden schon fünf Punkte vergeben und bei einem 80jährigen acht Punkte. Außer dem Alter wird als wichtiger Risikofaktor dann der systolische Blutdruck berücksichtigt. Hier wird der erste Punkt bereits bei einem systolischen Blutdruck bei Männern ab 106 mm Hg und bei Frauen ab 95 mm Hg fällig. Mit dem Blutdruck steigt dann die Zahl der vergebenen Punkte. Dabei werden die Blutdruckwerte unterschiedlich bewertet, je nachdem, ob sie ohne oder mit blutdrucksenkender Behandlung erreicht werden. Die Punkte für den systolischen Blutdruck werden dann zu denen für das Alter addiert. Bestehen weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren und Erkrankungen, werden dafür zusätzliche Punkte vergeben. So werden vergeben: für Diabetes mellitus zwei Punkte, für Rauchen drei Punkte, für Vorhofflimmern vier Punkte, für linksventrikuläre Hypertrophie fünf Punkte und für eine kardiovaskuläre Erkrankung vier Punkte. Dazu gehören: ein Myokardinfarkt, die koronare Herzkrankheit, die periphere, arterielle Verschlußkrankheit und eine Herzinsuffizienz. Mit der Gesamtzahl der Risikopunkte läßt sich dann das prozentuale Risiko ablesen, innerhalb von zehn Jahren einen Schlaganfall zu bekommen.


Ein Beispiel für hohes Risiko

Ein 70jähriger Mann, der nicht mit einem Blutdrucksenker behandelt ist, hat einen systolischen Blutdruck von 170 mm Hg, einen Wert der noch vor Jahren für dieses Alter als normal galt, gemäß einer früheren Regel für den Blutdruck: 100 plus Alter. Dies ergibt fünf plus sieben, also zwölf Punkte. Der Patient hat dazu noch eine kardiovaskuläre Erkrankung. Vier Punkte kommen hinzu. Er hat damit 16 Punkte. Sein Zehnjahresrisiko beträgt 22 Prozent. Um dieses hohe Risiko zu vermindern, muß der Blutdruck gesenkt werden. Gelingt es, den Blutdruck auf 135 mm Hg zu senken, sinkt das Risiko, in den nächsten zehn Jahren einen Schlaganfall zu bekommen, auf 13 Prozent.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So viel jünger und attraktiver macht Facelifting

Wer sein Gesicht straffen lässt, will in der Regel jünger und dynamischer aussehen. Das scheint tatsächlich zu klappen. mehr »

Niedrig dosiert starten und langsam erhöhen!

Die neue Gesetzeslage zur Verordnung von Cannabis auf Kassenkosten ist beim Schmerz- und Palliativtag begrüßt worden. Ärzte mit Erfahrung mit Cannabinoiden loben vor allem den Erhalt der Therapiefreiheit. mehr »

Obamacare bleibt!

Blamage für US-Präsident Donald Trump: In letzter Minute zogen die Republikaner die Abstimmung über die geplante Gesundheitsreform zurück. Gerade auch, weil die Zustimmung aus den eigenen Reihen fehlte. mehr »