Thrombose/Schlaganfall

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Modul: Thromboembolische Ereignisse bei Adipositas – Leitsymptome schwerer erkennbar

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Ärzte Zeitung, 21.05.2004

INTERVIEW

Mit Blutdrucksenkung sind von Schlaganfällen 40 Prozent zu verhindern

Hausärzte haben bei der Prävention von Schlaganfällen eine Schlüsselrolle. Was ist dazu in der Praxis wichtig? Beim Hochdruckspezialisten Professor Joachim Schrader vom St-Josefs-Hospital in Cloppenburg nachgefragt hat Heinz Dieter Rödder von der "Ärzte Zeitung".

Ärzte Zeitung: Herr Professor Schrader, warum muß die Prävention von Schlaganfällen verbessert werden?

Professor Schrader: Bei jährlich 250000 Schlaganfällen sind Morbiditäts- und Mortalitätsraten durch den Schlaganfall in Deutschland immer noch zu hoch. Ein Hauptgrund ist, daß wir in Deutschland immer noch zu viele nicht erkannte und nicht ausreichend behandelte Hypertonie-Patienten haben. Und Hypertonie ist bekanntlich der bedeutendste Risikofaktor für einen Schlaganfall. Dazu kommt: Patienten werden wegen anderer Risikofaktoren ebenfalls nicht genug behandelt.

Ärzte Zeitung: Worauf kommt es an, wenn Patienten ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko haben?

Schrader: Wichtigste Maßnahme ist dann die Verminderung aller Risikofaktoren. Mit großem Abstand an erster Stelle steht dabei der Hochdruck, zur Prävention eines Schlaganfalles mehr noch als beim Herzinfarkt. Dann folgen Diabetes mellitus, Rauchen und Fettstoffwechselstörungen.

Ärzte Zeitung: Wie viele Schlaganfälle könnten durch konsequente Blutdrucksenkung verhindert werden?

Schrader: Durch eine Senkung des Blutdrucks auf unter 140 zu 90 mm Hg kann die Schlaganfallrate je nach Ausgangswert um etwa 40 Prozent gesenkt werden.

Ärzte Zeitung: Wie kann man in der Praxis Patienten am einfachsten erkennen, die ein hohes Schlaganfall-Risiko haben?

Schrader: In der Praxis bewährt haben sich dazu Kalkulationstabellen, mit denen das Schlaganfallrisiko aus den bekannten Risikofaktoren leicht zu ermitteln ist, etwa mit der Tabelle von d‘Agostini, die bei der Aktion benutzt wird. Sie ist auch bereits in einer Praxis-Studie des Bundesverbandes der Allgemeinmediziner eingesetzt worden. Solche Tabellen sind für praktische Zwecke ganz vernünftig, weil sie die wichtigsten Risikofaktoren wie Alter und Blutdruck berücksichtigen.

Ärzte Zeitung: Was ist außer der Primärprävention für Hausärzte beim Thema Schlaganfall wichtig?

Schrader: Kommt es zum Schlaganfall, ist der Faktor Zeit ganz entscheidend. Patienten und ihren Angehörigen muß klar sein, daß ein Schlaganfall ein Notfall ist. Denn Zeit ist Gehirngewebe. Deshalb immer die Telefonnummer 112 wählen!

In der Sekundärprophylaxe eines Schlaganfalls gilt natürlich weiter: Den Hochdruck senken! Dazu kommen dann Plättchenaggregationshemmer, eventuell die Behandlung wegen einer Carotis-Stenose und die Therapie wegen weiterer Risikofaktoren.

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