Taschencomputer unterstützt nach Apoplexie das Gedächtnis

DÜSSELDORF (hbr). Ein kleiner Taschencomputer, der PMA (Personal Memory Assistent), hilft Patienten mit Gedächtnisproblemen nach einem Schlaganfall beim Erinnern. Das Besondere daran: Der PMA meldet ihnen nicht nur anstehende Termine, sondern führt sie auch schrittweise durch schwierige Aufgaben. Außerdem arbeitet er interaktiv. Das macht die Patienten im Alltag unabhängiger.

Veröffentlicht:

Der PMA ist Teil des Gedächtnishilfe-Systems MEMOS (Mobile Extensible Memory and Orientation System), das von Wissenschaftlern der Universität Leipzig entwickelt und jetzt auf der Medica in Düsseldorf vorgestellt wurde. Er ist kaum größer als eine Zigarettenschachtel und steht in Kontakt mit einer Betreuungsstation, einem internetfähigen PC zu Hause oder in der Klinik. In diesen gibt ein Betreuer die Termine und Aufgaben des Patienten ein.

Über Mobilfunk werden sie pünktlich an den PMA übertragen. Für die Patienten funktioniert dieser als ständiger Begleiter in Form einer Kreuzung aus Handy und elektronischem Kalender: Bei bevorstehenden Aufgaben und Terminen meldet er sich mit Klingeltönen und zeigt auf einem großen Display deutlich lesbar an, was sie tun sollen.

      Komplexe Aufgaben
werden in Teilschritte zerlegt.
   

Der PMA bietet allerdings mehr als diese übliche elektronische Erinnerungsfunktion, so Hendrik Schultze vom Universitätsinstitut für Informatik: Er hilft zum Beispiel auch beim Ausführen eines Auftrags. Komplexe Aufgaben können in Teilschritte zerlegt werden, die der Patient dann einzeln abarbeitet. Außerdem muß er jede Aufgabe als erledigt mit dem o.k.-Knopf bestätigen.

Zwar kann er durch Drücken des Abbruchknopfes die Aufgabe verschieben. Wird sie aber nicht in einem bestimmten Zeitraum erledigt, wird der Betreuer informiert. Bei weniger wichtigen Dingen wie einem vergessenen Einkauf zum Beispiel erfolgt das spätestens nach 24 Stunden. Bei Medikamenten, deren pünktliche Einnahme als kritisch definiert wurde, dagegen sofort per Handy, so Schultze, der zur Zeit nach einer Vermarktungsfirma Ausschau hält.

Tests mit bislang 25 Patienten, die nach Schädel-Hirn-Trauma oder Schlaganfall Probleme mit dem Erinnern an Termine hatten, verliefen erfolgreich, so Katrin Walther von der Leipziger Tagesklinik für kognitive Neurologie. Dabei hätten die meisten das PMA einer üblichen elektronischen Erinnerungshilfe - dem Palm-Organizer - vorgezogen. Und in einer vor kurzem beim europäischen Neuropsychologen-Kongreß vorgestellten kleineren Studie, in der sechs Patienten jeweils PMA, Palm und die Erinnerungsfunktion eines Handys testeten, wurden mit dem PMA mehr Aufgaben bewältigt.

Für eine erfolgreiche Verwendung des PMA ist aber erforderlich, daß Einsichtsfähigkeit in die Krankheit besteht und der Patient das Gerät auch benutzen will. Solange diese Voraussetzungen vorliegen, können auch Demenz-Patienten von der elektronischen Gedächtnishilfe profitieren, sagte Katrin Walther.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Eine schwierige Entscheidung

Schlaganfall: Das sind Grenzfälle der Thrombolyse

Zusätzlich zu Arztneimitteln

Stumme Karotisstenose: Lohnt sich die Revaskularisation?

Das könnte Sie auch interessieren
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© DG FotoStock / shutterstock

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© skynesher | E+ | Geytty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

ADHS im Erwachsenenalter

Wechseljahre und ADHS: Einfluss hormoneller Veränderungen auf Symptomatik und Diagnose

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hotline Impfen

Stellen Sie Ihre Fragen zum Impfen!

Lesetipps
Eine Person im CT.

© oksanazahray / stock.adobe.com

Risikoadaptiertes Vorgehen

Lungenkrebs-Screening: Nach Rauchstopp erst später ins CT?

Eine Hand lehnt demonstrativ eine Spritze ab.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

1,1 Millionen Erwachsene befragt

COVID-19: Impfskepsis häufig doch überwindbar

Ein Arzt erläutert seinem Patienten mit Fettlebererkrankung anhand eines Anatomiemodell der Leber die prognostischen Risiken.

© manassanant / stock.adobe.com

Hepatisches Risiko erhöht

Schlank und MASLD – das macht der Leber schwer zu schaffen