Thrombose/Schlaganfall

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Ärzte Zeitung, 23.03.2005

HINTERGRUND

Superschnelles CT macht sichtbar, ob Hirngewebe in Schlaganfall-Arealen durch Lyse noch zu retten ist

Von Philipp Grätzel von Grätz

Computer- oder Magnetresonanz-Tomographie (CT oder MRT), was ist das Beste für die Schlaganfalldiagnostik? Moderne CT-Geräte, die Messungen der Hirndurchblutung in Sekundenschnelle ermöglichen, nehmen der MRT jetzt wieder Boden ab.

Bei Patienten mit Schlaganfall sind CT-Aufnahmen in den allermeisten Kliniken Standard, wenn eine Blutung ausgeschlossen werden soll. In neurologischen Schwerpunktkliniken wurde in den letzten Jahren allerdings zunehmend die MRT eingesetzt: Mit modernen Algorithmen ist die Diagnose einer Blutung ähnlich sicher und ähnlich einfach wie bei der CT.

Bei Infarkt geht es um das Gewebe, was noch zu retten ist

Zusätzlich kann in der MRT aber auch noch die Penumbra sichtbar gemacht werden, also der Teil des Hirngewebes, der beim ischämischen Infarkt zwar von der Zirkulation abgeschnitten wurde, der aber noch nicht nekrotisch ist. Diese Hirnareale sind durch eine schnelle Lyse unter Umständen noch zu retten. In einigen Zentren wird deswegen heute auch jenseits des klassischen Dreistundenfensters eine Lyse gemacht, wenn im MRT eine ausgeprägte Penumbra nachgewiesen wird.

Bisher mußte die CT hier passen: "So gut sie geeignet ist, Hirnblutungen auszuschließen, so wenig hilfreich ist sie bei der Bewertung ischämischer Veränderungen", sagt etwa Dr. Jochen Fiebach von der Universität Heidelberg (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Mit ultraschnellen CT-Geräten allerdings könnte sich das jetzt wieder ändern, denn mit ihnen ist jetzt auch die Penumbra sichtbar.

Dr. Ernst Malzfeldt vom Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Altona (AKA) kann seit neuestem mit einem 40-Schicht-Scanner von Philips arbeiten, den es bisher nur in zwei Kliniken in Deutschland gibt. Mit dem Gerät kann die Hirndurchblutung innerhalb von Sekunden untersucht werden.

Zwar lassen sich in der CT Gefäße und damit auch Gefäßabbrüche als Zeichen eines ischämischen Infarktes darstellen. Solche CT-Angiographien sind auch mit langsameren CT-Geräten möglich. "Neu ist aber, daß wir jetzt auch die Durchblutung messen können, weil die Aufnahmegeschwindigkeit dafür schnell genug ist", so Malzfeldt.

Im Infarktareal steht die Durchblutung still, was farblich gut darstellbar ist. Wird aber nicht nur die "mean transit time" gemessen, also die mittlere Zeit, die ein Kontrastmittelbolus braucht, um das Gewebe zu durchfließen, sondern auch noch das zerebrale Blutvolumen, dann kann das infarzierte Areal weiter aufgegliedert werden: In der bereits nekrotischen Region gibt es fast kein Blut mehr in den Gefäßen, weil schon eine Diffusionsstörung vorliegt, die Gefäßwand also bereits leckt.

In weniger geschädigten, aber dennoch vom Blutfluß abgeschnittenen Regionen kann noch Blut im Gefäß nachgewiesen werden. Diese Zone entspricht der Penumbra, die in der MRT als Diffusions-Perfusions-Ungleichgewicht darstellbar und durch eine rasche Lyse eventuell noch zu retten ist.

Schnelle CT-Geräte kommen also wieder an die MRT heran. Malzfeldt begrüßt das, denn: "Die CT ist einfacher zu bedienen und auch nachts und am Wochenende problemlos einsetzbar". Bei der MRT sei das außerhalb von Schwerpunktzentren viel schwieriger zu organisieren.

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