Ärzte Zeitung, 30.01.2006

Bei Schlaganfall muß hoher Blutzucker runter

BERLIN (sko). Bei Schlaganfallpatienten sollte ein erhöhter CO2-Gehalt im Blut schnell gesenkt werden, um die Durchblutung des ischämischen Hirngewebes nicht noch weiter zu beeinträchtigen. Ebenfalls gesenkt werden sollte ein hoher Blutzuckerspiegel, da die sonst entstehende Laktatazidose die Zerstörung der Zellen begünstigt.

Eigentlich könnte eine Hyperkapnie mit einem CO2-Partialdruck über 40 mmHg bei Patienten mit Schlaganfall von Vorteil sein, da "CO2 der beste Vasodilatator ist, den wir haben", so Professor Karl Einhäupl von der Charité in Berlin. Jedoch sind die Blutgefäße in ischämischen Gebieten schon maximal dilatiert, eine weitere Dilatation ist nicht möglich.

Dies gilt jedoch nicht für die Gefäße in nicht betroffenen Hirnregionen. Werden diese durch das CO2 erweitert, sinkt der Widerstand. Und das Blut fließt von geschädigtem zu gesundem Gewebe, wie Einhäupl bei einer Fortbildungsveranstaltung in Berlin. Ebenfalls gesenkt werden sollte ein zu hoher Blutzucker, und zwar unter 160 mg/dl. Denn durch die Hyperglykämie kann es im ischämischen Hirngewebe zu einer Laktatazidose kommen.

Dies hätte zur Folge, daß freie Radikale, "um ein vielfaches aggressiver sind als in einem normalen Milieu", wie Einhäupl sagte. Weitere Parameter, die bei Schlaganfallpatienten in der Akutphase viertel- bis halbstündlich kontrolliert werden müssen, sind die Körpertemperatur - sie sollte 37,5 Grand Celsius nicht übersteigen - sowie der Blutdruck, der zwischen 140 und 200 mmHg liegen sollte.

Deshalb liegt für Einhäupl der Nutzen von Stroke Units auf der Hand. Denn diese engmaschigen Kontrollen könne eine Nachtschwester auf der Normalstation, die 37 oder mehr Patienten versorgen muß, nicht leisten.

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