Forschung und Praxis, 27.03.2006

Aktualisierte Schlaganfall-Leitlinie präzisiert Op-Indikation bei Karotisstenose

Etwa 200 000 Menschen in Deutschland erleiden nach Angaben der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe pro Jahr einen Schlaganfall. Etwa die Hälfte der Schlaganfälle ereignet sich in der Altersgruppe der über 75jährigen. Angesichts der resultierenden meist bleibenden körperlichen Behinderungen oder geistigen Beeinträchtigungen sind die Primär- und Sekundärprävention wesentliche Maßnahmen bei der Betreuung der Patienten.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und die Deutsche Schlaganfallgesellschaft haben im vergangenen Jahr ihre gemeinsame Leitlinie "Primär- und Sekundärprävention der zerebralen Ischämie" aktualisiert (www.dgn.org).

Neu in puncto Primärprävention ist, daß bei Patienten mit asymptomatischer hochgradiger (> 60 Prozent) Karotisstenose eine Endarteriektomie empfohlen wird. In der Sekundärprävention ist diese bei Patienten mit symptomatischer Karotisstenose nur dann von Nutzen, wenn die Operation innerhalb von 14 Tagen nach dem initialen Ereignis erfolgt. Vor, während und nach der Op sollte die Prophylaxe mit Acetylsalicylsäure (ASS) fortgeführt werden.

Re-Insult-Risiko bestimmt Wahl des Thrombozytenfunktionshemmers

Bei der medikamentösen Sekundärprävention wird in der Leitlinie betont, daß die GP-IIb / IIIa-Antagonisten nicht wirksamer als ASS sind, aber ein erhöhtes Risikos für schwere Blutungskomplikationen mit sich bringen. Letzteres gilt auch für die Kombination Clopidogrel plus ASS, die sich zudem als nicht besser wirksam erwiesen hat als die Clopidogrel-Monotherapie.

Die Kombination ASS (75 mg) plus Clopidogrel (75 mg) ist allerdings weiterhin eine Option für Patienten mit Schlaganfall und akutem Koronarsyndrom. Sie sollten mit der Kombination über einen Zeitraum von drei Monaten behandelt werden.

Welcher Thrombozytenfunktionshemmer zur Prävention des Re-Insults im einzelnen angewandt werden sollte, richtet sich nach der Höhe des Re-Insult-Risikos: Für Patienten mit niedrigem Risiko von unter vier Prozent pro Jahr sind täglich 50 - 150 mg ASS (ggf. plus Protonenpumpenhemmer bei gastrointestinalen Beschwerden) die Therapie der Wahl.

Für die große Gruppe der Patienten mit hohem Rezidivrisiko (mindestens vier Prozent pro Jahr), die keine pAVK haben, wird die Therapie mit zweimal täglich 25 mg ASS in der fixen Kombination mit 200 mg retardiertem Dipyridamol empfohlen. Clopidogrel in der Tagesdosis von 75 mg wird für Patienten mit hohem Risiko und zusätzlicher pAVK empfohlen. Außerdem ist Clopidogrel eine Alternative für Patienten, die ASS nicht vertragen oder bei denen diese kontraindiziert ist. (mar)

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