Ärzte Zeitung, 12.06.2007

Weniger Schlaganfälle durch Folsäure und B-Vitamine

Neue Studienauswertung belegt Nutzen von Folsäure bei Homocysteinüberschuss / Durch Anreicherung in Mehl sank Schlaganfallrate

HAMBURG (kat). In drei Studien bei Patienten mit Gefäßerkrankungen und hohem Homocysteinspiegel hatte die Therapie mit Folsäure, Vitamin B6 und B12 keinen Nutzen erbracht. Deshalb war sie zeitweise totgesagt worden. Zu Unrecht, findet Professor Olaf Stanger aus Salzburg. Denn jeder fünfte Schlaganfall lässt sich so vermeiden.

Die offiziellen Schlussfolgerungen aus Studien wie NORVIT (Norwegian Vitamin Trial), HOPE-2 (Heart Outcomes Prevention Evaluation) und VISP (Vitamin Intervention for Stroke Prevention) lauteten, dass die B-Vitamin-Substitution keinen Nutzen bringe. Dieses verblüffende Ergebnis ließ nicht nur den Experten der D.A.C.H. Liga Homocystein keine Ruhe. Auch internationale Experten überprüften die Ergebnisse genau.

Dabei zeigte sich, dass sowohl in der Erstpublikation von HOPE-2 als auch in der Re-Evaluation der VISP-Studie für den Endpunkt Schlaganfall eine Risikoreduktion um 22 bis 25 Prozent erreicht wurde. In VISP war der Effekt durch die inzwischen eingeführte Folsäure-Anreicherung von Mehl und die für Risikopatienten zu niedrig angesetzte Vitamin B12-Dosierung zunichtegemacht worden. Die Reanalyse der Daten von 2155 Patienten habe eine relevante Risikoreduktion um 21 Prozent ergeben, so Stanger bei einem Expertenworkshop des Unternehmens Dr. Loges + Co GmbH Arzneimittel.

In einer Studie zu den Folgen der Folsäureanreicherung von Getreideprodukten in den USA findet sich ein deutlicher Beleg für den Nutzen der Substitutionstherapie in der Primärprävention (Circulation 2006, 113, 1335). Seit der Folsäureanreicherung ab 1997 sank die Sterblichkeit durch Schlaganfälle jährlich deutlich stärker als in den Jahren zuvor (2,9 statt 0,3 Prozent). 12 000 tödliche Schlaganfälle pro Jahr werden dadurch verhindert. Die Maßnahme sei zudem einfach, preiswert und habe so gut wie keine unerwünschten Effekte, so Professor Klaus Pietrzik aus Bonn.

STICHWORT

Homocystein

Homocystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure und entsteht im Methionin-Stoffwechsel. Die Umsetzung ist an die B-Vitamine gekoppelt. Vitamin B6 steuert den Homocystein-Abbau zu Cystein. Folsäure und Vitamin B12 sind zur Remethylierung von Homocystein zu Methionin nötig. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »

Frühe ART wirkt protektiv

Die frühe antiretrovirale Therapie (ART) schützt HIV-Patienten vor schweren bakteriellen Infektionen. mehr »