Ärzte Zeitung, 03.12.2007

Vorsicht beim Absetzen von Statinen

Die Therapie bei Apoplexie-Patienten richtet sich nach dem Risiko / Grundlage sind Thrombozytenfunktionshemmer

HANNOVER (cin). Bei der Sekundärprävention von Patienten mit nichtkardioembolischen Schlaganfällen und symptomatischen intrakraniellen Stenosen sind Thrombozytenfunktionshemmer weiterhin Medikamente der ersten Wahl. Und: Werden Statine nach Apoplexie abgesetzt, kann sich die Prognose der Patienten verschlechtern.

Patienten sollten auch nach ihrem Insult ihre Statine weiter einnehmen. Sonst steigt ihr Risiko, zu sterben.

Foto: Imago

Zu den Grundbausteinen der Prävention nach Apoplexie gehört die Thrombozytenfunktionshemmung. Haben Patienten ein jährliches Apoplexierisiko von unter vier Prozent, eignet sich eine Monotherapie mit ASS.

Liegt das Rezidivrisiko über vier Prozent, ist die Kombinationstherapie von 50 mg ASS und 400 mg retardiertem Dipyridamol pro Tag der ASS-Monotherapie überlegen. Das konnte sowohl in der ESPS-2-(European Stroke Prevention Study 2)-Studie als auch in der ESPRIT-(European Australasien Stroke Prevention in Reversible Ischaemia Trail)-Studie belegt werden: Mit der Kombinationstherapie gab es sowohl bei der ESPS-2-Studie als auch bei der ESPRIT-Studie im Vergleich zu Placebo eine absolute Risikoreduktion von etwa drei Prozent mit Kombinationstherapie versus 1,5 Prozent mit Monotherapie.

Haben Patienten eine pAVK und eine zerebrovaskuläre Erkrankung, wird eine Therapie mit 75 mg Clopidogrel empfohlen. "Derzeit wird in der PrOFESS-(Prevention Regimen For Effectively avoiding Second Strokes)-Studie die Therapie von ASS plus Dipyridamol mit Clopidogrel bei 20 000 Patienten verglichen", sagte Professor Martin Grond beim 1. Deutschen Schlaganfallkongress in Hannover. Ergebnisse werden im nächsten Jahr erwartet. Die orale Antikoagulation scheint keinen Zusatznutzen im Vergleich zur ASS-Monotherapie zu erbringen. Das haben Studien, unter anderem die ESPRIT-Studie, ergeben.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Sekundärprävention ist die gute Einstellung des arteriellen Blutdrucks. In Studien konnte belegt werden, dass mehrere Mono- und Kombinationstherapien, etwa mit ACE-Hemmern, in der Sekundärprävention ischämische Schlaganfälle verhindern können. "Aktuell wird der PRoFESS-(Prevention Regimen For Effectively avoiding Second Strokes)-Studie der Zusatznutzen von AT1-Blockern zu plättchenhemmenden Therapien geprüft", sagte der Neurologe vom Kreisklinikum in Siegen. Primärer Studienendpunkt ist das Schlaganfall-Rezidiv.

Statine haben möglicherweise eine protektive Wirkung auf das Gehirn. In der Heart Protection Study konnte bei Patienten mit TIA oder Schlaganfall die Rate der Reinsulte gesenkt werden - allerdings nicht signifikant (im Gegensatz zur Primärprävention). Signifikante Ergebnisse hat die SPARCL-(Stroke Prevention by Aggressive Reduction in Cholesterol Levels)-Studie ergeben. Von 4731 Patienten hatten mit 80  mg Atorvastatin 11 Prozent ein Rezidiv, mit Placebo 13 Prozent.

"Vorsicht scheint beim Absetzen von Statinen geboten zu sein", so Grond. Eine Studie der Universität von Santiago de Compostela in Spanien hat nun ergeben (wie berichtet), dass ein kurzfristiges Absetzen der Statine die Prognose von Apoplexie-Patienten deutlich verschlechtert (Neurology 69, 2007, 904).

Die Forscher hatten bei 89 Patienten Daten erhoben, die innerhalb von 24 Stunden nach einem Schlaganfall in die Klinik eingewiesen worden waren und vor dem Schlaganfall Statine eingenommen hatten. Bei 46 Patienten wurden während der ersten drei Tage die Statine abgesetzt. Weitere 43 Patienten nahmen das Medikament weiterhin ein.

Ergebnis: Von den Patienten mit Therapie erreichten drei Monate nach Apoplexie 39 Prozent den Endpunkt Tod oder schwere Behinderung. Bei denen ohne Statine waren es mit 60 Prozent signifikant mehr. Zudem waren die Hirninfarkte mit 24 ml versus 74 ml signifikant kleiner.

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