Ärzte Zeitung, 28.03.2008

Bei Vorhofflimmern haben Frauen gehäuft Schlaganfälle

Studien zu Geschlechtsunterschieden / Risiko verdoppelt

MANNHEIM (skh). Frauen mit Vorhofflimmern bekommen unabhängig vom Alter häufiger Schlaganfälle und thromboembolische Ereignisse als Männer. Ein einfacher Fragetest hilft, das Schlaganfall-Risiko abzuschätzen, und erleichtert die Entscheidung für eine Therapie mit Antikoagulanzien.

Vorhofflimmern ist bei Frauen die häufigste Ursache für schwere Schlaganfälle, sagt Dr. Christa Gohlke-Bärwolf vom Herzzentrum in Bad Kreuznach. So bekommen Frauen etwa im Framingham-Risk-Score für das Fünf-Jahres-Schlaganfall-Risiko bei Vorhofflimmern allein wegen des Geschlechtes sechs Punkte mehr als Männer, berichtete Gohlke-Bärwolf beim Kardiologen-Kongress in Mannheim.

In einer prospektiven Studie mit 13 500 Patienten mit Vorhofflimmern wurde die Rate an Schlaganfällen und peripheren thromboembolischen Ereignissen untersucht (Circulation 112, 2005, 1687).

Ergebnis: Weibliche Studienteilnehmer hatten mit 3,5 Prozent ein fast doppelt so hohes Risiko, ohne orale Antikoagulation innerhalb eines Jahres ein thromboembolisches Ereignis zu bekommen wie Männer (1,8 Prozent). In einer Studie der Euro Heart Survey on Atrial Fibrillation mit 2200 Frauen und 3000 Männern mit Vorhofflimmern lagen die Risiken für Schlaganfälle und periphere Thromboembolien für Frauen bei sieben und vier Prozent, für Männer bei fünf und zwei Prozent (JACC 49, 2007, 572).

Den Geschlechterunterschied beim Schlaganfall-Risiko bestätigen zudem sechs weitere Studien mit insgesamt fast 10 000 Patienten, die in einer neueren Meta-Analyse berücksichtigt wurden, so Gohlke-Bärwolf.

Das individuelle Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern lässt sich mit dem CHADS-2-Score - über die Risikofaktoren Herzinsuffizienz, Hypertonie, Diabetes und frühere Hirnischämie - ermitteln. Je nach Punktzahl kann zudem die Entscheidung getroffen werden, ob eine Antikoagulation mit ASS ausreicht, oder ob ein Patient mit Warfarin oder Cumarin behandelt werden sollte, so Gohlke-Bärwolf.

STICHWORT

CHADS-2-Score

In dem Score-Test gibt es für die Risikofaktoren Herzinsuffizienz, Hypertonie, Alter über 75 Jahre und Diabetes jeweils einen Punkt. Patienten, die früher einen Schlaganfall oder eine TIA hatten, bekommen zwei Punkte.

Das Risiko, innerhalb eines Jahres einen Schlaganfall zu bekommen, steigt mit zunehmender Punktzahl von knapp zwei Prozent bei null Punkten auf über 18 Prozent bei sechs Punkten.

Bei null Punkten ist eine Antikoagulation mit ASS, bei einem Punkt mit ASS oder Cumarin und bei zwei oder mehr Punkten mit Cumarin angezeigt (JAMA 285, 2001, 2864).

(skh)

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