Ärzte Zeitung, 19.11.2008

Extrakt aus Ginkgo biloba reduziert Schlaganfall-Folgen bei Mäusen

Extrakt induziert ein antioxidatives Enzym

BALTIMORE (mut). Eine Therapie mit einem Extrakt aus Ginkgo biloba kann die Folgen eines Schlaganfalls mindern und das Infarktvolumen halbieren - zumindest im Tierversuch. US- Forscher haben jetzt auch herausgefunden, weshalb: Der Extrakt induziert ein antioxidatives Enzym.

MRT eines Patienten mit Schlaganfall in der linken Hemisphäre.

MRT eines Patienten mit Schlaganfall in der linken Hemisphäre.

Foto: K. Sartor

In der Studie gelang es den Forschern der Johns Hopkins Universität in Baltimore nicht nur zu zeigen, dass der Ginkgo-Extrakt EGb 761 (in Deutschland als Tebonin® erhältlich) offenbar neuroprotektive Eigenschaften hat, sie lieferten auch gleich eine Erklärung, wie diese zustande kommen. So hatte in vorhergehenden Versuchen das Team um Dr. Sofiyan Saleem bereits herausgefunden, dass der Ginkgo-Extrakt das Enzym Hämoxygenase 1 (HO-1) induziert.

Das Enzym, das primär am Abbau des Blutfarbstoffs Häm beteiligt ist, produziert auch die antioxidativen Abbauprodukte Biliverdin und Bilirubin, welche wiederum freie Radikale binden. HO-1 zählt damit zu den wichtigsten Schutzproteinen vor oxidativem Stress. Das Enzym wird in vielen Geweben bei zellulärem Stress produziert.

In ihren Versuchen behandelten Saleem und ihre Mitarbeiter gesunde Mäuse nun sieben Tage lang mit dem Ginkgo-Extrakt (Stroke online). Ein Teil der Mäuse konnte jedoch aufgrund eines genetischen Defekts kein HO-1 bilden. Die Forscher verschlossen nach einer Woche Therapie bei den behandelten sowie bei unbehandelten Mäusen vorübergehend die mittlere Zerebralarterie, um einen Infarkt auszulösen. 5 Minuten und 4,5 Stunden nach Beginn der Reperfusion erhielten die zuvor schon mit Ginkgo behandelten Tiere erneut den Extrakt.

Das überraschende Ergebnis: Bei normalen Mäusen, die mit dem Ginkgo-Extrakt behandelt wurden, war das Infarktvolumen um 48 Prozent geringer als bei Mäusen ohne Ginkgo. Zugleich waren bei den Mäusen mit Ginkgo die neurologischen Defizite nur halb so stark ausgeprägt wie bei Mäusen ohne den Extrakt. Ganz anders sah das Ergebnis bei Mäusen ohne HO-1 aus: Bei ihnen hatte die Ginkgo-Therapie keine Auswirkungen: Das Infarktvolumen und die neurologischen Defizite waren sowohl bei Mäusen mit Ginkgo-Therapie als auch bei Mäusen ohne Ginkgo-Extrakt etwa gleich groß. Die Forscher schließen daraus, dass der Ginkgo-Extrakt neuroprotektive Eigenschaften hat, die sich zumindest teilweise über eine Induktion von HO-1 erklären lassen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »