Ärzte Zeitung, 29.08.2011

Entzündungshemmer fördern das Lernen nach Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist kein lokales Ereignis, sondern schädigt das ganze Gehirn. Das erschwert die Rehabilitation der Patienten. Den Ursachen und einer möglichen Behandlung sind Forscher auf die Spur gekommen.

GÖTTINGEN/JENA (eb). Nach einem Apoplex tun sich Patienten mit dem Wiedererlernen einfacher Fähigkeiten wie Gehen oder Sprechen oft schwer.

Grund: Ein Schlaganfall beeinträchtigt die Lernfähigkeit selbst entfernter Hirnbereiche, haben Forscher des Bernstein-Netzwerks und der Universitäten Göttingen und Jena belegt (PNAS 2011; online 24. August).

Schon lange ist bekannt, dass eine lokal begrenzte Durchblutungsstörung auch weit entfernte Gehirnareale beeinflusst. Um die Lernvorgänge zu untersuchten, nutzten die Wissenschaftler ein optisches Phänomen: Wird Versuchstieren ein Auge verschlossen, erhöht sich zur Kompensation die Sehschärfe des noch offenen Auges, wie es in einer Mitteilung des Bernstein-Netzwerks heißt.

Nun lösten sie in der Hirnrinde von Mäusen einen Schlaganfall aus, und zwar an einer Stelle, die keinen bekannten Einfluss auf das Sehsystem hat.

Verschlossen sie den Tieren direkt danach ein Auge, konnte sich das Gehirn nicht mehr normal an die neue Situation anpassen; es hatte seine Lernfähigkeit verloren. Hatte das Gehirn nach der Schädigung zwei Wochen Zeit, war die Anpassungsfähigkeit teilweise regeneriert.

Die Forscher untersuchten, ob Entzündungsreaktionen die Störungen bewirken. Dazu behandelten sie die Tiere direkt nach dem Schlaganfall mit einem Entzündungshemmer. Tatsächlich erhöhte sich bei ihnen wie bei gesunden Tieren die Sehschärfe des offenen Auges.

Wie der geschädigte Bereich das Sehen beeinflusst, ist unklar. "Es scheint mehr Wechselwirkungen zwischen Hirnarealen zu geben, als wir bisher wissen", werden die Forscher zitiert.

Plastische Veränderungen werden von weit größeren Netzwerken moduliert als angenommen. Nun wird geprüft, was nach einem Schlaganfall in Zellen passiert und wie man die Lernfähigkeit wiederherstellen kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »