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Neue Ära in der Schlaganfall-Therapie?

Ein neuartiges Therapieverfahren weckt große Hoffnungen bei der Behandlung von akutem Schlaganfall. Jetzt hat es sich in Studien und auch in der Praxis bewährt. Experten jubeln: Die neue Methode wird die Schlaganfall-Therapie grundsätzlich verändern!

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CT bei Apoplexie: Per Durchflusszeit lässt sich durchblutetes Gewebe von abgestorbenem (blau) unterscheiden.

CT bei Apoplexie: Per Durchflusszeit lässt sich durchblutetes Gewebe von abgestorbenem (blau) unterscheiden.

© Allgemeinkrankenhaus Altona

NEW ORLEANS (ob). Therapie der Wahl beim akuten ischämischen Schlaganfall ist die intravenöse Lyse innerhalb eines Zeitfensters von bis zu 4,5 Stunden.

Da diese Behandlung bei Verschlüssen von großen Hirnarterien wenig erfolgreich ist, kommen hier in jüngster Zeit zunehmend neue endovaskuläre Verfahren zur mechanischen Rekanalisation zum Zug.

Thrombektomie-System in Deutschland bereits genutzt

Einige Kliniken in Deutschland nutzen bereits ein Stent-basiertes Thrombektomie-System (SolitaireTM FR Device des Unternehmens Covidien), das es ermöglicht, in einem Gang den Blutfluss wiederherzustellen und das Blutgerinnsel zu entfernen.

Dieses neue System ist in einer Studie (SWIFT) mit einem seit 2004 von der FDA zugelassenen Thrombektomie-System verglichen worden. Die Ergebnisse wurden jetzt bei der International Stroke Conference in New Orleans vorgestellt.

Die Studie ist nach Einschluss von 144 der geplanten 200 Schlaganfall-Patienten im Juli 2011 vorzeitig gestoppt worden. Beteiligt waren ausschließlich Schlaganfall-Patienten mit Kontraindikationen gegen eine Lyse oder zuvor erfolgloser Lyse-Behandlung.

Das primäre Wirksamkeitskriterium lautete: erfolgreiche Gefäßrekanalisation ohne symptomatische in trakranielle Blutung. Dieses Ziel wurde mit der neuen Methode, bei der ein selbstexpandierender Stent entlang des Thrombus freigesetzt wird, bei 60,7 Prozent und mit dem konventionellen Verfahren bei 24,1 Prozent aller randomisierten Patienten erreicht.

Ein weiterer Pluspunkt: Nach 90 Tagen war die Mortalitätsrate bei Behandlung mit dem neuen Thrombektomie-System - sie startete im Schnitt rund fünf Stunden nach Symptombeginn - signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (17,2 versus 38,2 Prozent).

Der Anteil der Patienten mit einem als gut beurteilten neurologischen Status war zu diesem Zeitpunkt signifikant höher (58,2 versus 33,3 Prozent).

"Das wird die Schlaganfall-Therapie verändern"

Nach Ansicht von Studienleiter Dr. Jeffrey Sayer aus Los Angeles könnten diese Ergebnisse eine neue Ära in der Therapie bei akutem Schlaganfall einleiten.

Diese Einschätzung teilt auch Professor René Chapot, Klinik für Neuroradiologie und endovaskuläre Therapie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen.

Wie der Experte für endovaskuläre Therapie im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" betonte, handelt es sich um "eine der wichtigsten Entwicklungen im medizinischen Bereich, die ganz ohne Zweifel die Schlaganfall-Behandlung grundsätzlich ändern wird".

Chapot: "Es besteht in meinen Augen kein Zweifel, dass in naher Zukunft alle Patienten mit akutem Schlaganfall und großen Gefäßverschlüssen so behandelt werden: Das erleben wir schon in unserem täglichen Ablauf. Auch wenn die Studien noch nicht in ausreichender Zahl vorhanden sind, erzielen wir schon jetzt in der täglichen Praxis so gute Ergebnisse, dass unsere Neurologen, wenn möglich, die Thrombektomie der intravenösen Lyse vorziehen."

Die Anzahl der zu behandelnden Patienten nehme sehr schnell zu. Chapot: "Zum Beispiel haben wir allein am gestrigen Tag drei Patienten durch Thrombektomie behandelt."

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