Direkt zum Inhaltsbereich

Tsunami gegen Subarachnoidalblutung

Patienten mit Subarachnoidalblutung (SAB) entwickeln oft nach etwa einer Woche großflächige ischämische Schlaganfälle. Der Grund könnten elektrische Riesenwellen sein, die sich unter Umständen als therapeutischer Angriffspunkt eignen.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Elektrische Riesenwellen stehen im Verdacht, im Gefolge einer SAB Schlaganfälle auszulösen.

Elektrische Riesenwellen stehen im Verdacht, im Gefolge einer SAB Schlaganfälle auszulösen.

© psdesign1/fotolia.com

BERLIN. Der verzögerte Schlaganfall im Gefolge einer SAB sei ein wesentlicher Grund für die hohe Mortalität und Morbidität bei diesen Patienten, sagte Professor Jens Dreier von der Klinik für Neurologie der Charité Berlin.

Drei von zehn SAB-Patienten sterben, genauso viele tragen dauerhafte Behinderungen davon.

Zusammen mit Kollegen anderer Universitäten hat Dreier in den letzten Jahren geklärt, was dem verzögerten Schlaganfall bei der SAB wahrscheinlich zugrunde liegt.

Durch den Zerfall roter Blutkörperchen kommt es zu einem Überangebot an Kalium, das der Ausgangspunkt für eine Depolarisationswelle ist, die sich über die Hirnrinde ausbreitet. Dieser "Tsunami" aktiviert die Nervenzellen.

Der Nährstoffbedarf steigt. Doch das Gehirn kann darauf nicht mit einer Weitstellung der Blutgefäße reagieren, weil gleichzeitig das zerfallende Hämoglobin vasodilatativ wirksame Moleküle wie Stickstoffmonoxid abpuffert. Die Folge ist ein ischämischer Schlaganfall ohne thrombotischen Gefäßverschluss.

Möglicher Ansatz für präventiven Eingriff

"Was wir noch nicht genau wissen ist, warum bei manchen Patienten diese Katastrophe passiert, bei anderen dagegen nicht", sagte Dreier bei einer Veranstaltung des Centrums für Schlaganfallforschung Berlin (CSB).

In der internationalen DISCHARGE-1-Studie wird jetzt ein Algorithmus entwickelt, der anhand von Messungen der elektrischen Wellen auf der Hirnrinde die Vorhersage erlaubt, welchen SAB-Patienten ein verzögerter Schlaganfall droht.

Gemessen wird mit Hilfe einer Bandelektrode auf der Hirnoberfläche. Das ist deswegen relativ unproblematisch, weil viele SAB-Patienten ohnehin einen invasiven Eingriff an der Schädelkalotte benötigen.

"Wenn wir die Patienten mit erhöhtem Schlaganfallrisiko identifizieren könnten, dann könnten wir sie unter Umständen auch präventiv behandeln", sagte Dreier. Wie das gehen könnte, ist freilich noch nicht ganz klar.

Diskutiert werden Sedativa, die die Ausbreitung der Erregung möglicherweise bremsen. Auch eine therapeutische Verbesserung der Blutversorgung wäre denkbar.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Phase-III-Studie EMPHASIS

Antibiotikum verbessert wohl Prognose nach leichtem Schlaganfall

ACC-Kongress

Vorhofflimmern: Kann ein Vorhofohrverschluss die Antikoagulation ersetzen?

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Mitgliederumfrage

GKV-Sparpläne: HNO-Ärzte wollen Sprechzeiten kürzen

Lesetipps
Person mit Bauchschmerzen, vor ihr ein Glas Wasser und Säureblocker

© DebbyMelindaYanti / Generated with AI / Stock.adobe.com

Deprescribing PPI

Protonenpumpenhemmer absetzen: Wie das am besten gelingt

Blick in ein Blutgefäß

© Superrider / Stock.adobe.com

Hypercholesterinämie

Lipidsenker klug kombinieren