Thrombose/Schlaganfall

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Ärzte Zeitung, 05.10.2012

Bei verstopften Hirngefäßen

Zwei neue Verfahren lassen hoffen

Die interventionelle endovaskuläre Schlaganfall-Therapie macht Fortschritte. Neue Thrombektomie-Verfahren liefern in zwei Studien vielversprechende Ergebnisse.

Von Peter Overbeck

Zwei neue Verfahren lassen hoffen

Ein extrahierter Thrombus.

© R. Chapot

NEU-ISENBURG. Therapie der Wahl beim akuten ischämischen Schlaganfall ist die intravenöse Thrombolyse innerhalb eines Zeitfensters von bis zu 4,5 Stunden nach Symptombeginn.

Da diese Behandlung bei Verschlüssen von großen intrakraniellen Arterien wenig erfolgreich ist, kommen hier in jüngster Zeit zunehmend neue endovaskuläre Verfahren - sogenannte Stent-Retriever - zur mechanischen Rekanalisation zum Einsatz.

Im Unterschied zu den echten Stents verbleiben die ihnen ähnelnden Retriever nicht dauerhaft in den Gefäßen.

Thrombusmaterial wird mittels Retriever entfernt

Zu den neuen endovaskulären Verfahren zählen etwa der Trevo-Retriever des Unternehmens Stryker und das Thrombektomie-System Solitaire von Covidien. Beide Systeme ermöglichen es, in einem Gang den Blutfluss wiederherzustellen und das im Drahtgeflecht des expandierten Stents festgehaltene Thrombusmaterial durch Rückzug des Retrievers zu entfernen.

Beide Systeme sind in einer randomisierten Studie (SWIFT und TREVO-2) jeweils mit einem seit 2004 von der FDA zugelassenen Thrombektomie-System (Merci) verglichen worden. Die Ergebnisse beider Studien sind im Fachjournal "The Lancet" publiziert worden.

Das Solitaire-System ist in der SWIFT-Studie untersucht worden, die im Juli 2011 vorzeitig gestoppt worden war. Teilnehmer waren 113 Schlaganfall-Patienten, bei denen eine Thrombolyse entweder kontraindiziert oder zuvor erfolglos war.

Primärer Studienendpunkt war, einer Vorgabe der Zulassungsbehörden entsprechend, die erfolgreiche Gefäßrekanalisation ohne symptomatische intrakranielle Blutung. Dieses Ziel wurde mit dem Solitaire-System bei 60,7 Prozent und mit dem konventionellen Verfahren bei 24,1 Prozent aller Patienten erreicht.

Signifikant niedrigere Mortalitätsrate

Die Mortalitätsrate nach 90 Tagen war in der mit dem neuen Stent-Retriever behandelten Gruppe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (17,2 versus 38,2 Prozent).

Die Rate der Patienten mit einem als gut beurteilten neurologischen Status war zum gleichen Zeitpunkt signifikant höher (58,2 versus 33,3 Prozent).

Erfreulich verlief auch der Vergleichstest mit dem Trevo-System in der TREVO-2-Studie, an der 178 Patienten mit intrakraniellen Gefäßverschlüssen beteiligt waren.

Primärer Endpunkt dieser Studie war die Rekanalisation der betroffenen Hirnarterien, definiert als TICI-Perfusionsgrad 2 oder höher. Gemessen an diesem Kriterium war die endovaskuläre Thrombektomie in der Trevo-Gruppe bei 86 Prozent und in der Merci-Gruppe bei 60 Prozent aller Patienten erfolgreich.

Der Anteil der Patienten mit als gut einzuschätzenden Aussichten auf ein unabhängiges Leben (modifizierter Rankin Score 0-2) war in der Trevo-Gruppe nach 90 Tagen signifikant höher als in der mit dem Merci-System behandelten Vergleichsgruppe (40 versus 22 Prozent).

Der neue Stent-Retriever erfüllte die für den Nachweis sowohl der Nicht-Unterlegenheit als auch Überlegenheit festgelegten Kriterien.

"Die Ergebnisse sind sehr vielversprechend"

Die innovative Behandlungsmethode der mechanischen Rekanalisation bei akutem Schlaganfall wird auch ein Schwerpunktthema bei der 47. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (neuroRAD) sein, die vom 11. bis 13. Oktober 2012 in Köln stattfinden wird.

"Diese neue Therapieform zeigt sehr vielversprechende Ergebnisse", so Professor Michael Knauth vom Universitätsklinikum Göttingen und Kongresspräsident von neuroRAD 2012 in einer Pressemitteilung im Vorfeld des Kongresses.

"Sie sollte jedoch nur von erfahrenen, qualifizierten Neuroradiologen durchgeführt werden und bedarf zudem ausreichender apparativer Ressourcen".

Ziel sei es, möglichst vielen Patienten helfen zu können, für die die Neurothrombektomie infrage komme. Deshalb arbeiten Experten am Aufbau von Netzwerken, in denen kleine Einrichtungen mit hoch spezialisierten Behandlungszentren zusammenarbeiten.

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