Ärzte Zeitung, 15.10.2012

Schlaganfall-Therapie

Laser und Gaumenkitzel

Mit Licht gegen akuten Schlaganfall? Nachdem einige Studien zur Neuroprotektion gescheitert sind, gehen Neurologen neue Wege: Sie kitzeln den Studienteilnehmern den Gaumen oder bestrahlen deren Gehirn mit Laser.

Von Thomas Müller

Laser und Gaumenkitzel gegen Schlaganfall

Licht gegen Schlaganfall? Neurologen versuchen es mit Wellenlängen im infrarot-nahen Bereich.

© nikkytok / shutterstock.com

HAMBURG. Es war nicht unbedingt ein gutes Jahr, was neue Verfahren zur Verbesserung der Akuttherapie beim Schlaganfall betrifft. Daran hatte Professor Martin Grond aus Siegen erinnert.

So wurden in Lissabon beim europäischen Schlaganfallkongress enttäuschende Ergebnisse der Studie ICTUS vorgestellt. Geprüft wurde in der Studie bei über 2000 Patienten der Nutzen von Citicholin zur Neuroprotektion.

Citicholin wird zur Biosynthese von Zellmembranen benötigt und ist ein Vorläuferprotein von Phosphatidylcholin, einem der wichtigsten Hirn-phospholipide. Patienten, die unmittelbar nach einem Schlaganfall damit behandelt wurden, profitierten jedoch nicht mehr also solche mit Placebo, sagte Grond.

In den kleineren Studien waren die Akutsymptome mit Citicholin schneller abgeklungen, und die Patienten kamen nach drei Monaten im Alltag besser zurecht als solche, die Placebo erhielten.

Die wesentlich größere ICTUS-Studie spreche aber eher dafür, dass es keinen signifikanten Nutzen der Therapie gebe. Nicht besser erging es Schlaganfallpatienten mit dem Nervenwachstumsfaktor Filgrastim in der Studie AXIS.

Auch hier war die Therapie Placebo nicht überlegen, sagte Grond. Hoffnung besteht allerdings noch bei zwei weiteren Studien mit recht ungewöhnlichen Therapien, deren Ergebnisse noch ausstehen.

In ImpACT-24 mit bislang 400 Patienten wird nach einem Schlaganfall der Gaumen gekitzelt, genauer: Es wird über einen Neurostimulator das Ganglion sphenopalatinum an der Schädelbasis gereizt.

Therapie erfolgt binnen 24 Stunden nach Insult

Die Stimulation erweitert die Hirngefäße und soll auf diese Weise die Durchblutung der vom Schlaganfall betroffenen Hirnseite verbessern. Die Studie wird im kommenden Jahr abgeschlossen.

Auch mit Licht experimentieren Ärzte: Per transkranielle Lasertherapie wird das betroffene Hirnareal von außen mit Wellenlängen im infrarotnahen Bereich bestrahlt. Dies soll den Hirnstoffwechsel verbessern und bedrohtes Gewebe retten.

Derzeit wird die Methode in der Studie NEST-3 mit über 600 Patienten placebokontrolliert geprüft. Behandelt wird dabei innerhalb von 24 Stunden nach einem Schlaganfall.

Auch diese Studie soll Anfang des kommenden Jahrs abgeschlossen werden, derzeit findet noch eine Zwischenanalyse statt.

Verbesserungen könnte es bei der klassischen Akuttherapie geben. Grond hofft, dass sich das Zeitfenster für eine Lyse bei einzelnen Patienten bis auf neun Stunden erweitern lässt, und zwar dann, wenn über MRT-gestützte Analysen genau ermittelt wird, welches Ausmaß die Schädigung hat.

Neue Erkenntnisse hierzu könnte auch die nächste große europäische Thrombolysestudie ECASS4 liefern, die jetzt vorbereitet wird.

Erstmals wird auch die transvaskuläre Rekanalisation in kontrollierten randomisierten Studien geprüft. Zwar gehört die mechanische Entfernung von Thromben aus größeren Hirngefäßen schon länger zum Therapierepertoire, allerdings fehlen bisher klare Wirksamkeitsnachweise.

Neurologen und Neuroradiologen haben immer wieder Studien gefordert, nun hätten sich drei Hersteller bereit erklärt, ihre Instrumente in einem kontrollierten Studiendesign zu testen, sagte Grond.

Zwar klinge es plausibel, dass die Patienten profitieren, wenn man einen großen Thrombus aus einem Hirngefäß zieht. Allerdings stellten zusätzlich verstopfte kleinere Gefäße womöglich das größere Problem dar.

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