Direkt zum Inhaltsbereich

Schlaganfall

Frauen kommen zu spät in die Klinik

Frauen mit Schlaganfall kommen im Schnitt eine halbe Stunde später in die Klinik als Männer - und fallen daher öfter aus dem Zeitfenster für eine Lyse. Forscher vermuten, es hängt mit dem Alter zusammen.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Wenn Frauen wegen eines Schlaganfalls in ein Krankenhaus gebracht werden, ist es für eine Lysetherapie oft schon zu spät.

Wenn Frauen wegen eines Schlaganfalls in ein Krankenhaus gebracht werden, ist es für eine Lysetherapie oft schon zu spät.

© Burgi / dpa

ROTTERDAM. Frauen leben im Schnitt zwar länger als Männer und bekommen später als diese einen Schlaganfall, das hat mitunter aber auch Nachteile: Kommt es zu einem Apoplex, ist möglicherweise niemand mehr zu Hause, der den Notarzt anrufen kann.

Dies sehen Forscher um Inger de Ridder von der Erasmus-Universität in Rotterdam als einen möglichen Grund, weshalb Frauen mit Schlaganfall später als Männer in eine Klinik kommen und daher seltener eine Lyse erhalten.

Das Team um de Ridder hatte Daten der Studie PRACTISE (Promoting Acute Thrombolysis for Ischaemic Stroke) zu über 5500 Schlaganfallpatienten aus zwölf niederländischen Kliniken ausgewertet, die Hälfte der Patienten waren Frauen (Stroke 2013, online 25. Juli).

Lyse bei 14 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen

Insgesamt erhielten 14 Prozent der Männer, aber nur 11 Prozent der Frauen eine Lysetherapie mit rt-PA. Der Unterschied ließ sich auf eine verspätete Klinik-Einweisung zurückführen - im Schnitt kamen Frauen 27 Minuten später in die Klinik als Männer.

Bei den Frauen, die innerhalb von vier Stunden nach Symptombeginn in ärztliche Behandlung gelangten, war die Lyse-Rate mit 42 Prozent hingegen genau so hoch wie bei Männern. Allerdings war der Anteil von Frauen, die es rechtzeitig zur Lysetherapie in die Klinik schafften, deutlich geringer als bei Männern (27 Prozent versus 33 Prozent).

Schlaganfall vier Jahre später als bei Männern

Nicht ganz klar ist allerdings, weshalb Frauen so viel später Hilfe suchen. Einen Grund sehen die Studienautoren um de Ridder im höheren Alter der Frauen mit Schlaganfall: Mit 74 versus 70 Jahren sind sie im Schnitt vier Jahre älter bei der Klinikeinweisung als Männer. Möglicherweise leben die betroffenen Frauen dann häufiger allein, weil ihr Partner bereits verstorben ist.

Andere Gründe könnten sein, dass sich der Schlaganfall in anderer Weise manifestiert als bei Männern oder den Frauen die typischen Apoplexsymptome weniger gut bekannt sind.

Letztlich, so de Ridder und Mitarbeiter, sei eine bessere Aufklärung über Schlaganfallsymptome nötig, damit sowohl Frauen als auch Männer noch früher in Behandlung kommen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Bessere Aufklärung zu Schlaganfall ist nötig!

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Empfehlungen für die Therapie

So holen Sie Ihre Patienten aus der Post-Stroke-Depression

Das könnte Sie auch interessieren
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© Cardisio

Cardisio

Cardisiographie mit LVEF-Erkennung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

AMD-Prävention

Altersabhängige Makuladegeneration: Leitlinie gibt Empfehlungen zum Screening

Meist Adenokarzinome

Tipps zur Früherkennung: Warnzeichen für Pankreaskrebs erkennen

Lesetipps
Eine Frau zieht einen Kompressionsstrumpf auf ihr rechtes Bein.

© Itana / Stock.adobe.com

Leitlinien-Update

Welcher Kompressionsstrumpf ist der richtige?