Schlaganfall

Neurofeedback bessert Lähmungen

Bei Schlaganfall-Patienten lässt sich der Erfolg eines physiotherapeutischen Trainings mithilfe der Vorstellungskraft und einer computergesteuerten Orthese deutlich steigern.

Veröffentlicht:
In der Studie wurden die Hirnströme erfasst und auf den Computer übertragen, der mit der Prothese verbunden war.

In der Studie wurden die Hirnströme erfasst und auf den Computer übertragen, der mit der Prothese verbunden war.

© Gerhard Seybert / fotolia.com

TÜBINGEN. Durch ein Bewegungstraining mithilfe einer Gehirn-Computer-Schnittstelle zusätzlich zur Physiotherapie lassen sich bei schwer behinderten Schlaganfallpatienten motorische Funktionen teilweise wiederherstellen.

Ein "proof of concept" liefern jetzt die Ergebnisse einer deutschen kontrollierten Studie (Ann Neurol 2013; 74: 100-108. doi: 10.1002/ana.23879).

An der Studie am Institut für Medizinische Psychologie der Universität Tübingen nahmen 32 Schlaganfallpatienten teil, die nicht mehr in der Lage waren, eine Hand zu öffnen und für Anforderungen des Alltags zu nutzen.

In der experimentellen Gruppe mussten die Patienten zusätzlich zur Physiotherapie anschließend mithilfe einer Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI: brain-computer interface) und einer Orthese das Öffnen und Schließen der Hand trainieren.

Dabei werden über ein 16-Kanal-EEG die Hirnströme erfasst, während der Patient sich die Bewegung der Hand und/oder des Arms vorstellt.

Diese Aktivität wird auf einen Computer übertragen. Über ein Kabel, das vom Computer zur Prothese führt, wird dann die Bewegung von der Prothese umgesetzt.

Wellenmuster beeinflussen sensomotorischen Rhythmus

Der Effekt beruht darauf, dass die Patienten über das Neurofeedback ein bestimmtes Wellenmuster, den sensomotorischen Rhythmus, beeinflussen.

Durch eine Bewegung oder die Vorstellung einer Bewegung wird dieses Frequenzband im EEG desynchronisiert, das heißt, die schnellen Betawellen herrschen vor.

Wie die Wissenschaftler berichten, trainierten die Schlaganfallpatienten täglich über mehr als zwei Wochen und wiederholten dabei das Bewegungsmuster mindestens 250-mal. In der Kontrollgruppe erfolgte nach der Physiotherapie die Bewegung der Orthese nicht EEG-gesteuert, sondern zufällig.

Der Erfolg des Gesamttrainings - mit oder ohne BCI - wurde unter anderem anhand des modifizierten Fugl-Meyer-Tests (FMT) beurteilt.

Während der FMT-Wert sich in der experimentellen Gruppe von im Mittel 11,16 ± 1,73 vor dem Training auf 14,56 ± 1,95 nach dem Training signifikant verbesserte, erhöhte sich der Wert in der Kontrollgruppe nicht signifikant (von 13,29 ± 2,86 auf 13,64 ± 2,91). (ple)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

Lesetipps
Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?