Thrombose/Schlaganfall

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Ärzte Zeitung online, 16.04.2014

Verzögerte Lyse nach Schlaganfall

Jede Minute kostet zwei Tage Leben

Nach einem Schlaganfall drängt die Zeit. Wie sehr, zeigt eine finnische Studie: Jede Minute, die der Patient später zur Lyse kommt, bedeuten zwei Tage weniger Lebenszeit.

Jede Minute kostet zwei Tage Leben

Rettungsassistentin und Rettungssanitäter transportieren einen Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall in die Klinik.

© Christoph Pueschner / Stiftung dt. Schlaganfall-Hilfe

MELBOURNE. Inzwischen dürfte jedem Arzt klar sein, wie wichtig eine schnelle rt-PA-Lyse bei einem ischämischem Schlaganfall ist. Dennoch dauert es selbst in vielen Industrieländern noch recht lange, bis Patienten in Krankenhäusern und Stroke-Units nach der Einlieferung an die rettende Nadel gelangen. 60 Minuten und mehr für die Tür-zur-Nadel-Zeit (TNZ) sind in Deutschland keine Seltenheit.

Einer, der sich viele Gedanken gemacht hat, wie sich diese Zeit verkürzen lässt, ist der finnische Arzt Dr. Atte Meretoja. Er hat maßgeblich an der Entwicklung des sogenannten Helsinki-Protokolls mitgewirkt. Damit ist es der Uniklinik in Helsinki gelungen, die Patienten bereits 20 Minuten nach Ankunft zu lysieren.

Meretoja, der derzeit in Melbourne den Australiern beibringt, wie sie ihre TNZ verkürzen können, hat jetzt in einer aktuellen Publikation noch einmal klar dargestellt, welchen Nutzen jede Minute hat, die die Patienten früher zu Lyse gelangen.

Der Finne wertete zusammen mit australischen Ärzten jeweils ein Finnisches und ein australisches Schlaganfallregister aus (Stroke 2014; online 13. März).

Die Forscher konnten auf Daten von knapp 2260 Patienten mit Lysetherapie zugreifen, zudem berücksichtigten sie Ergebnisse einer Reihe anderer Studien, in denen der Zeitpunkt der Lyse mit dem späteren Behinderungsgrad verglichen wurde.

Als Endpunkt wählten die den Einfluss des Lysezeitpunkts auf die sogenannten behinderungsbereinigten Lebensjahre (DALY, disability-adjusted life years).

Größter Nutzen bei jungen Patienten

Die Ergebnisse: Jede Minute Verzögerung bei der Lyse führt nach den Berechnungen der Wissenschaftler im Schnitt zu 1,8 zusätzlichen Tagen mit Behinderungen. 15 Minuten ergeben einen ganzen Monat.

Der Effekt hängt jedoch stark vom Alter der Patienten und der Schwere des Schlaganfalls ab. Erwartungsgemäß profitieren jüngere Patienten stärker, da sie noch eine höhere Lebenserwartung haben.

So gewinnt ein 80-Jähriger mit schwerem Infarkt für jede Verkürzung der TNZ um eine Minute nur 0,6 Tage, bei einem 50-Jährigen mit schwerem Infarkt sind es immerhin 3,5 Tage - der in DALY bezifferte Nutzen ist also knapp sechsmal größer. Dazwischen liegen die Werte von alten Patienten mit leichtem Schlaganfall (0,9 Tage) und von jungen Patienten mit leichtem Schlaganfall (2,7 Tage).

Geht man davon aus, dass der Unterschied der TNZ in den einzelnen Kliniken bis zu einer Stunde beträgt, so kostet es einen jungen Patienten knapp sieben Monate gesunde Lebenszeit, wenn er in die "falsche" Klinik kommt.

"Es sollte daher alles unternommen werden, um Therapieverzögerungen zu verhindern", schlussfolgern die Studienautoren um Meretoja. (mut)

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