Ärzte Zeitung, 15.09.2014

Bayerisches Projekt zeigt

Telemedizin verbessert Versorgung bei Schlaganfall

Gute Nachrichten aus Bayern: Mit telemedizinischer Hilfe lassen sich Schlaganfallpatienten auch in solchen ländlichen Gebieten gut versorgen, in denen es keine Stroke Unit gibt. Das zeigen die Erfahrungen aus dem Projekt TEMPiS.

Von Thomas Müller

Telemedizin verbessert Versorgung bei Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall zählt jede Minute.

© Miriam Dörr / fotolia.com

MÜNCHEN. Für das Projekts TEMPiS (TeleMedical Project for integrative Stroke Care) wurden im Südosten Bayerns zwischen Cham, Bad Tölz und Bad Reichenhall 15 regionale Kliniken mit zwei Schlaganfallzentren in München und Regensburg vernetzt.

In elf der regionalen Krankenhäuser versorgten Internisten die Schlaganfallpatienten, in vier war eine neurologische Abteilung dafür zuständig.

Die Kliniken setzten sich bei bestimmten Schlaganfallpatienten mit den Zentren in Verbindung, und zwar bei Patienten, die für eine Thrombolyse infrage kommen, bei solchen mit Bewusstseinstrübungen und schweren oder progressiven Insulten.

Die lokalen Ärzte senden dabei digitale Hirnaufnahmen, die von Neuroradiologen und Neurochirurgen begutachtet werden. Auch eine klinische Untersuchung per Videokonferenz ist bei Bedarf möglich.

Insgesamt wurden von 2003 bis 2012 knapp 55.000 Patienten mit Schlaganfall oder TIA in den Netzwerkkliniken behandelt, wie ein Team um Dr. Peter Müller-Barna vom Klinikum Harlaching berichtet (Stroke 2014; online 21. August).

Die Zahl stieg von 4100 im Jahr 2003 auf 7200 im Jahr 2012. Bei 58 Prozent erfolgte eine Telekonsultation.

80 Prozent erhielten innerhalb einer Stunde eine Lyse

Lag die Zahl der tPA-Lysen 2002 vor Beginn des Projektes in allen regionalen Klinken zusammen nur bei zehn, so war sie ein Jahr nach dem Start von TEMPiS bereits auf 63 gestiegen und hatte sich bis 2012 mit 685 Lysen mehr als verzehnfacht.

Entsprechend stieg der Anteil der Patienten mit ischämischem Insult und tPA-Lyse von 0,4 Prozent im Jahr 2002 auf 2,6 Prozent im Jahr 2003 und 15,5 Prozent im Jahr 2012. Zugleich sank die Zeit vom Symptombeginn bis zur Lyse von im Median 150 Minuten (2003) auf 120 Minuten (2012).

Die Zeit von der Klinikaufnahme bis zur Lyse halbierte sich während des Projektes sogar von 80 auf 40 Minuten.

Insgesamt konnten 80 Prozent der Patienten innerhalb einer Stunde eine Lyse erhalten - das sind weit mehr als die von der US-Schlaganfallgesellschaft geforderten 50 Prozent.

Auch beim Behandlungsergebnis zeigten sich Fortschritte: Die Sieben-Tages-Sterblichkeit in den Kliniken ging in der Zeit von 5,0 auf 3,1 Prozent zurück.

Die Neurologen führen den Erfolg des Modells darauf zurück, dass ein komplettes Stroke-Unit-Konzept auf regionaler Ebene implementiert werden konnte.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Stroke Units für alle

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