Ärzte Zeitung, 26.02.2015

Hirnblutung

So lässt sich das Risiko für Hämatomvergrößerung senken

Mit einer Studie über den Zusammenhang zwischen Vitamin-K-Antagonisten und Hirnblutungen haben deutsche Neurologen Therapieempfehlungen erarbeitet. So sollte unter anderem der INR binnen vier Stunden unter 1,3 gesenkt werden.

So lässt sich das Risiko für Hämatomvergrößerung senken

Von den Therapieempfehlungen bei Hirnblutungen würden etwa eine Million Patienten in Deutschland profitieren, die Antikoagulanzien einnehmen.

© picture-alliance / dpa

NEU-ISENBURG. Wie wirken sich Maßnahmen zur Hemmung der Antikoagulation und zur Senkung des Blutdrucks bei Schlaganfallpatienten kurz- und langfristig aus?

Um diese Frage zu klären haben Experten aus 19 deutschen Kliniken retrospektiv Daten von fast 1200 Schlaganfallpatienten ausgewertet (JAMA 2015, online 24. Februar).

Wie Studienleiter Professor Hagen Huttner von der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Erlangen in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) berichtet, konnte man bei 853 Patienten den Größenzuwachs der Hirnblutung feststellen und bei 307 (36 Prozent) eine Volumenzunahme um mehr als ein Drittel dokumentieren.

"Verringerte Raten einer Hämatomvergrößerung fanden wir bei einer Reduktion des INR-Wertes unter 1,3 binnen vier Stunden nach der Einweisung", wird Huttner zitiert.

In dieser Gruppe von Patienten hatte man nur bei 19,8 Prozent eine Hämatomvergrößerung beobachtet; der Anteil unter Patienten mit einem INR von 1,3 mit 41,5 Prozent war mehr als doppelt so groß.

Valide Ergebnisse zur Therapie

Auch systolische Blutdruckwerte unter 160 mmHg vier Stunden nach der Einweisung waren mit einem verringerten Risiko einer Hämatomvergrößerung assoziiert: In der Gruppe der Patienten, wo dieses Ziel erreicht wurde, wiesen 33,1 Prozent vergrößerte Hämatome auf.

Wurde das Ziel verfehlt, waren es dagegen 52,4 Prozent. "Somit haben wir endlich valide Ergebnisse zur Behandlung dieser Patienten und können den Einfluss des Blutdrucks auf Hämatome besser einschätzen", kommentiert Professor Martin Grond, zweiter Vorsitzender der DGN.

Gemessen wurde auch der Einfluss beider Maßnahmen auf die Mortalität im Krankenhaus. Gelang es, die Blutverdünnung schnell zu neutralisieren bei gleichzeitigen systolischen Blutdruckwerten unter 160 mmHg, so betrug die Sterblichkeit 13,5 Prozent gegenüber 20,7 Prozent, wenn beide Ziele verfehlt wurden, heißt es in der Mitteilung.

Schutz durch erneute Antikoagulation

Außerdem haben die Wissenschaftler untersucht, wie häufig unter den Patienten im Jahr nach der Behandlung erneute Hirnblutungen und Schlaganfälle aufgetreten sind, und ob dabei ein Zusammenhang mit der erneuten Gabe von Vitamin-K-Antagonisten (VKA) besteht.

Hier verglichen die Forscher jene 172 Patienten (23,9 Prozent) unter den Überlebenden, die im Therapieverlauf erneut mit VKA behandelt wurden, mit jenen, die keine VKA mehr bekamen.

Ischämische Komplikationen traten in der ersten Gruppe mit einer Häufigkeit von 5,2 Prozent auf, in der zweiten Gruppe mit 15 Prozent. Hämorrhagische Komplikationen waren in beiden Gruppen annähernd gleich.

"Die Wiederaufnahme der Blutverdünnung zeigte einen klaren Schutz vor Schlaganfällen, ohne dass wir in unserer Patientenkohorte gleichzeitig ein vermehrtes Auftreten der gefürchteten Hirnblutung beobachteten", so Huttner. "Somit ergibt sich ein Netto-Nutzen zugunsten der Wiederaufnahme der Blutverdünnung."

Diese Fragestellung werde auch in der Studie PRODASt in Essen prospektiv untersucht. Hier werden ab Frühjahr 2015 in etwa 100 Stroke Units in Deutschland Patienten mit Vorhofflimmern, die eine intrakranielle Blutung erlitten hatten, erfasst.

Diese Patienten werden ein Jahr lang verfolgt mit den Fragen, welche Patienten wieder antikoaguliert werden müssen und wie sich die neuen oralen Antikoagulantien (NOAC) von Marcumar unterscheiden.

NOAC haben ja in jüngster Vergangenheit in die Praxis der Blutverdünnung Einzug gehalten - mit neuen Wirkmechanismen. "Auch hier brauchen wir weitere Studien, um das Potenzial zur Verringerung erneuter Hirnblutungen ausschöpfen zu können", fordert Huttner.

"Tatsächlich laufen derzeit prospektive Studien mit wirksamen Antidots zu den neuen Blutverdünnern. Wir können in den kommenden Monaten mit interessanten Ergebnissen rechnen", weiß Martin Grond. (eb)

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