Ärzte Zeitung, 01.03.2006

Mit acht Fragen läßt sich das Thromboserisiko einschätzen

Arzt von der Charité plädiert dafür, nur noch zwischen hohem und niedrigem Risiko zu differenzieren / Therapie-Entscheidung vereinfacht

BASEL (sko). Ob ein Risiko für eine Thromboembolie besteht, läßt sich mit acht Fragen gut eingrenzen. Ergibt sich dabei die Notwendigkeit einer Prophylaxe, kommen außer nicht-medikamentösen Maßnahmen wie Bewegung und Belastung der Beine auch niedermolekulare Heparine (NMH) in Betracht.

Beinvenenthrombose in der Vena femoralis (VF). Mit Ultraschall lassen sich Binnenechos im Lumen erkennen. Foto: Christoph Dietrich

Nach den europäischen Leitlinien wird das Risiko für venöse Throm-boembolien (VTE) bei Patienten mit internistischen Erkrankungen in die drei Kategorien niedrig, mittel und hoch unterteilt. Dies sollte nach Meinung von Privatdozent Jürgen Koscielny von der Charité Berlin kritisch überdacht werden.

Bei einer Veranstaltung in Basel, die das Unternehmen Novartis organisiert hatte, plädierte er dafür, nur noch zwischen hohem und niedrigem Risiko zu unterscheiden. Zur Stratifizierung sollten dann Akutrisiken wie Infektionen, Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie Basisrisiken wie Alter, Exsikkose oder eine VTE in der Vorgeschichte herangezogen werden.

Koscielny stellte einen Punktekatalog mit acht Fragen vor, der die Stratifizierung bei nicht chirurgisch behandelten Patienten erleichtern soll. Die Antwort "ja" auf die Fragen nach Tumorerkrankung, Thrombophilie-Neigung und Thrombosen in der Vorgeschichte wird mit je drei Punkten bewertet. Einen Punkt gibt es für ein Ja auf die Fragen nach Medikamenten-Einnahme, Alter über 70, Übergewicht und Bettlägerigkeit in den letzten zwölf Wochen.

Die letzte Frage soll klären, ob eine größere Operation geplant ist. Wenn das der Fall ist, werden zwei Punkte vergeben. Kommen in der Summe höchstens drei Punkte heraus, besteht ein niedriges Risiko, ab vier Punkten hingegen ein hohes Risiko. Würden Patienten nach diesen Kriterien eingestuft und behandelt, ließe sich das Risiko für eine Thrombose verringern, sagte Koscielny.

Patienten mit hohem Thromboserisiko sollten eine medikamentöse Prophylaxe, etwa mit dem NMH Certoparin (Mono-Embolex®) erhalten, das unabhängig vom Körpergewicht dosiert wird und somit leicht anzuwenden ist. Zudem ist Certoparin seit kurzem zur Behandlung nach Schlaganfall zugelassen, der mit hohem Thromboserisiko einhergeht.

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