Ärzte Zeitung, 07.11.2006

Diagnostik bei Thrombose auf dem Prüfstand

Klinischer Test und Bluttest helfen bei Ausschluß von Blutgerinnsel / Eignung für die tägliche Praxis wird untersucht

NEU-ISENBURG (ikr). Besteht Verdacht auf eine Venenthrombose, läßt sich ein solches Ereignis mit einem klinischen Test, dem Wells-Test, und einem Bluttest rasch und sicher ausschließen. Das war zumindest in Studien so. Ob das auch im Praxisalltag so gut funktioniert, wird jetzt untersucht.

Patientin mit tiefer Venenthrombose im rechten Bein. Das Bein ist deutlich dicker als das gesunde. Foto: Bauersachs

Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie empfiehlt den Wells-Test in Kombination mit dem Bluttest aufgrund der guten Studiendaten bereits in ihrer aktuellen Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bei Thromboembolien. Beim Wells-Test werden Faktoren bewertet, die die Wahrscheinlichkeit für eine tiefe Venenthrombose (TVT) erhöhen oder verringern.

Für eine TVT sprechen etwa eine Krebserkrankung oder eine Differenz der Unterschenkeldurchmesser von mehr als drei Zentimetern. Pro Faktor gibt es einen Punkt. Ist eine andere Diagnose, etwa eine Muskelzerrung, ebenso wahrscheinlich, gibt es Minuspunkte. Kommen in der Summe weniger als zwei Punkte zustande, ist die Wahrscheinlichkeit für eine TVT nicht hoch.

Fällt bei einem solchen Patienten der D-Dimer-Test negativ aus, kann auf weitere Diagnostik und Therapie verzichtet werden. Den Test gibt es auch als Schnell-Test (etwa SimpliRed®). Das Ergebnis ist in zwei Minuten da.

"Unklar ist bislang, wie häufig diese Art der Diagnostik bereits im Praxisalltag verwendet wird und ob sich die guten Studiendaten auf die Praxis übertragen lassen," so Professor Rupert M. Bauersachs vom Klinikum Darmstadt zur "Ärzte Zeitung". Untersucht wird das jetzt in Verbindung mit dem TULIPA (Thrombose mit und ohne Lungenembolie bei Patienten im ambulanten Bereich)-Register. Es soll geklärt werden, wie gut Thrombosen in Praxen diagnostiziert werden und wie gut behandelt wird.

Nach ersten Daten wurde bei 1388 von 4958 Patienten mit TVT-Verdacht die Diagnose in Spezialpraxen, etwa von Phlebologen, bestätigt. "Das ist eine recht hohe Trefferquote von 28 Prozent, wir hätten nur mit 15 bis 20 Prozent gerechnet", so Bauersachs, der einer der Studienleiter ist. Wie untersucht wurde, wird jetzt analysiert. In Follow-Up-Untersuchungen werde sich zeigen, wie gut Wells-Test und D-Dimer-Test zum TVT-Ausschluß in der Praxis funktionieren.

Initiiert wurde das TULIPA-Projekt vom Unternehmen GlaxoSmithKline. Die Schirmherrschaft haben übernommen: die Deutsche Gesellschaft für Angiologie, die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie sowie die Deutsche Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung.

Weitere Infos zu Venenthrombosen unter www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/065-002.htm

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