Ärzte Zeitung, 23.03.2007

Bei Venenthrombosen kann meist ambulant behandelt werden

Anamnese und Bluttest helfen bei der Diagnostik / Heparin in den ersten fünf Tagen

HANNOVER (grue). Die meisten Patienten mit einer tiefen Venenthrombose (TVT) können ambulant behandelt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Diagnose gesichert ist und die Patienten die kompressorische und antikoagulatorische Therapie eigenverantwortlich mitmachen. Bei der Diagnostik liefert ein einfacher Bluttest wichtige Informationen.

Die Inzidenz der TVT ist recht hoch: Von 1000 Menschen bekommt einer pro Jahr eine TVT. Obwohl die Ereignisse etwa zur Hälfte klinisch inapparent verlaufen, kommen dennoch viele Patienten mit typischen Thrombose-Frühzeichen wie Wadenschmerz oder Schmerzen im Bein beim Husten in die Praxis.

Die Crux: Solche Beschwerden können außer einer Thrombose auch viele andere Ursachen haben. Die Spezifität der anamnestischen und klinischen Symptomatik beträgt nur höchstens 60 Prozent. "Der Verdacht auf eine Venenthrombose muss deshalb weiter abgeklärt werden", sagte Dr. Stefan Mörsdorf aus Homburg / Saar bei einer Pri-Med-Veranstaltung in Hannover. Es handelt sich hierbei um interaktive Fortbildungen für Allgemeinmediziner, die von dem international renommierten Anbieter Pri-Med angeboten werden. Die "Ärzte Zeitung" ist Medienpartner.

Die Hausärzte in Hannover fragten gezielt nach, wie der weitere Diagnoseweg bei TVT aussieht. Als erstes solle ein D-Dimer-Test gemacht werden, so Mörsdorf. Mit dem Test lässt sich eine TVT sicher ausschließen. Fällt der Test positiv aus, kann eine Thrombose, aber etwa auch ein Muskelfaserriss oder eine Herzinsuffizienz dahinter stecken. "Mit einer Spezifität von 35 Prozent hilft der D-Dimer-Test allein nicht weiter", sagte der Angiologe.

Klarheit schafft jedoch der Kompressions-Ultraschall, mit dem eine symptomatische proximale TVT zuverlässig erkannt wird. Für distale TVT‘s, Beckenvenenthrombosen und Lungenembolien eignet sich das Verfahren nicht so gut. Hierfür werden Farb-Doppler, Spiral-CT und MRT eingesetzt. "Sollte eine weiterführende Diagnostik vor Ort nicht möglich sein, braucht der Patient sofort eine Antikoagulation", sagte Mörsdorf. Denn: Schnelles Handeln mindere das Risiko, eine Lungenembolie oder ein postthrombotisches Syndrom zu entwickeln.

Bei Venenthrombosen sollte medikamentös mit einem niedermolekularen Heparin (NMH) für mindestens fünf Tage behandelt werden und überlappend mit einem oralen Antikoagulans. Nach Angaben von Dr. Franz Xaver Breu aus Rottach-Egern sind NMH mit zweimal täglicher Applikationsweise nicht wirksamer als solche mit einmal täglicher Gabe. Die derzeit erhältlichen NMH seien dennoch nicht alle gleich. Bei älteren Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (Clearance > 20 ml/min) etwa rate er zu Tinzaparin, weil dessen aktiver Teil kaum in der Niere kumuliert. "Wer Erfahrung mit den Substanzen hat, kann die meisten Patienten mit TVT ambulant behandeln", sagte Breu.

Leitlinie zur Diagnostik und Therapie bei Bein- und Beckenvenenthrombose und Lungenembolie unter www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/065-002.htm

STICHWORT

D-Dimer-Wert

D-Dimere sind Fibrinspaltprodukte, die bei der Fibrinolyse entstehen. Bei einer Blutkonzentration von weniger als 500 µg / l gilt eine Thrombose als sehr unwahrscheinlich. Erhöhte Werte, das heißt Werte über 500 µg / l, sind bei thrombotischen Geschehen, aber auch bei entzündlichen Prozessen, bei Malignomen, Traumata sowie nach operativen Eingriffen nachweisbar. (eb)

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