Ärzte Zeitung, 19.03.2008

Alternativen für eine permanente Antikoagulation sind in Sicht

Idraparinux wird nur einmal in der Woche subkutan gespritzt / Geprüft wird auch Heparin mit ultraniedrigem Molekulargewicht

WIESBADEN (ner). Viele Patienten, bräuchten eigentlich eine permanente Antikoagulation, sagt Professor Rupert M. Bauersachs vom Klinikum Darmstadt. Wegen möglicher Probleme bekämen die Patienten die Therapie aber nicht. Neue Optionen zur Antikoagulation werden daher entwickelt.

Probleme der oralen Antikoagulation können bedingt sein durch das kleine therapeutische Fenster der Vitamin-K-Antagonisten, das relativ hohe Blutungsrisiko sowie das erforderliche Gerinnungsmonitoring. Neue Optionen zur Antikoagulation werden daher geprüft wie der Faktor-Xa-Hemmer Otamixaban sowie Idraparinux, ein Pentasaccharid der zweiten Generation. Idraparinux ist eine Substanz mit hoher anti-Xa-Aktivität, die nur einmal wöchentlich subkutan verabreicht wird.

In der Sekundärprophylaxe nach tiefen Venenthrombosen sei das Mittel ebenso effektiv und sicher gewesen, wie eine orale Antikoagulation, sagte Bauersachs bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung in Wiesbaden. Das Pentasaccharid war dabei in einer fixen Dosis von 2,5 mg  pro Woche gegeben worden, ohne dass ein Gerinnungsmonitoring erforderlich war.

Auch in der Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern erwies sich Idraparinux als der oralen Antikoagulation gleichwertig. Allerdings traten in der AMADEUS-Studie mit 4500 Teilnehmern signifikant mehr klinisch relevante Blutungen auf als in der Kontrollgruppe (20 versus elf Prozent). Deswegen ist das Molekül um einen Biotin-Arm erweitert worden (biotinyliertes Idraparinux). Dies ermöglicht im Bedarfsfall die Antagonisierung mit Avidin, etwa bei Blutungen oder bei chirurgischen Eingriffen. Drei große Studien mit biotinyliertem Idraparinux zur Thromboembolie- und Schlaganfallprophylaxe werden noch in diesem Jahr abgeschlossen.

Mit Otamixaban hat das Unternehmen Sanofi Aventis zudem einen direkten Faktor-Xa-Hemmer in der Pipeline. Er werde i.v. verabreicht und sei wegen der kurzen Halbwertszeit von etwa einer halben Stunde gut steuerbar, so Bauersachs bei einem Symposium des Unternehmens. Wegen der hauptsächlichen Elimination über die Fäzes ist bei Niereninsuffizienz keine Dosisanpassung erforderlich. Derzeit wird die Anwendung bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom geprüft, die sich einer perkutanen Angioplastie (PTCA) unterziehen müssen.

Neu ist auch ein Heparin mit ultraniedrigem Molekulargewicht von im Mittel 2000 bis 3000 Dalton (AVE5026). Es hemmt indirekt Faktor Xa und IIa und wird derzeit in der Thromboembolieprophylaxe nach Gelenkersatzoperationen geprüft.

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