Ärzte Zeitung, 16.04.2010

Das Risiko von Venenthrombosen wird unterschätzt

In der EU starben in der jüngeren Vergangenheit jährlich über 500 000 Menschen an venösen Thromboembolien.

NÜRNBERG (wst). In Europa sterben infolge tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien mehr als doppelt so viele Menschen wie an Aids, Brustkrebs, Prostatakarzinom und Verkehrsunfällen zusammen. Eine effektivere Diagnostik und Therapie bei Venenthrombosen könnte somit vielen Menschen das Leben retten.

In der Europäischen Union starben in der jüngeren Vergangenheit jährlich über 500 000 Menschen an Akut- oder Spätkomplikationen einer venösen Thromboembolie (VTE). Diese Zahl hat Professor Henri Bounameaux von der Abteilung für Angiologie und Hämostase des Universitätsklinikums Genf beim GTH-Kongress in Nürnberg aus aktuellen Statistiken zitiert. In den erfassten 25 EU-Nationen starben im vergleichbaren Zeitraum jährlich rund 5800 Menschen an Aids, 87 000 an Brustkrebs, 63 500 an Prostatakrebs und 53 500 infolge eines Verkehrsunfalles.

Etwa zehn Prozent aller Todesfälle im Krankenhaus sind in Europa durch eine Lungenembolie bedingt. Und ein Prozent aller - aus welchem Grund auch immer - in ein Krankenhaus aufgenommenen Menschen stirbt dort an dieser akuten TVT-Komplikation, wie Bounameaux auf einer Veranstaltung des Unternehmens Daiichi-Sankyo berichtete.

Die jährliche VTE-Inzidenz in Europa gab der Experte mit 1 zu 1000 an. Innerhalb von einem Jahr bis zwei Jahren nach einer proximalen tiefen Beinvenenthrombose entwickeln 20 bis 50 Prozent aller Betroffenen verschiedengradige Ausprägungen eines postthrombotischen Syndroms, ein bis drei Prozent mit Unterschenkelgeschwüren. Durch eine konsequente Kompressionstherapie ließen sich Häufigkeit und Schwere des postthrombotischen Syndroms halbieren. Im Gefolge einer gesicherten Lungenembolie ist innerhalb von sechs Monaten bei etwa einem Prozent der Betroffenen mit einer pulmonalen Hypertonie zu rechnen; nach einem Jahr bei 3,1 Prozent und nach zwei Jahren bei 3,8 Prozent, sagte Bounameaux.

Angesichts all dieser Komplikationsrisiken appellierte Bounameaux an die Kollegen in Klinik und Praxis, bei Patienten und in Situationen mit einem erhöhten Risiko für eine venöse Thromboembolie stets an eine konsequente medikamentöse und nichtmedikamentöse Primär- und Sekundärprophylaxe zu denken.

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