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Späte Thromboseprophylaxe kostet Leben

Die venöse Thromboembolie ist eine häufige Todesursache in der Klinik. 500.000 Menschen in Europa sterben jährlich daran, so wird geschätzt. In mehr als vier von zehn Fällen liegt es daran, dass bei den Verstorbenen eine rechtzeitige Thromboseprophylaxe versäumt wurde.

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Die Thrombosegefahr ist bei Intensivpatienten hoch.

Die Thrombosegefahr ist bei Intensivpatienten hoch.

© M. Tolstoy / fotolia.com

NEU-ISENBURG (eb). Die venöse Thromboembolie (VTE) ist eine häufige Todesursache in der Klinik. Für Europa wird von etwa 500.000 tödlichen Ereignissen jährlich ausgegangen.

Neuere Analysen weisen darauf hin, dass dennoch bei über 40 Prozent der Patienten trotz nachgewiesenem Nutzen keine adäquate Thromboseprophylaxe erfolgt. Die Ursache dafür ist oft Angst vor unerwünschten Blutungen.

Studie mit mehr als 440.000 Teilnehmern

Für Trauma-Patienten zeigen kleinere Studien, dass eine Verzögerung der Thromboseprophylaxe um 1 bis 3 Tage zu einer Verdreifachung von VTE führt. In einer Multicenter-Studie wurde nun geprüft, ob ein Versäumnis der VTE-Prophylaxe um mindestens 24 Stunden bei Intensivpatienten mit einem erhöhten Sterberisiko einhergeht (Chest 2011; online 22. September).

Von 444.963 Patienten aus 134 Intensivstationen in Australien/Neuseeland wurde im Zeitraum von 2006 bis 2010 außer Patienten-, Krankheits- und Outcome-Daten der Status der Thromboseprophylaxe innerhalb von 24 Stunden nach Einweisung gegebenenfalls einschließlich Kontraindikation oder fehlender Indikation registriert.

16 Prozent erhielten keine Thromboseprophylaxe in den ersten 24 Stunden

Ergebnis: Knapp 16 Prozent der Patienten erhielten innerhalb der ersten 24 Stunden keine indizierte Thromboseprophylaxe (medikamentös oder mechanisch etwa durch Kompression).

Die Intensiv- und Krankenhausmortalität dieser Patienten war dabei signifikant höher als jene von Patienten mit adäquater Thromboseprophylaxe (7,6 versus 6,3 Prozent oder 11,2 versus 10,6 Prozent) obwohl diese gemäß dem APACHE-III-Score weniger schwer erkrankt waren.

Dieses Ergebnis war auch nach Adjustierung für die unterschiedlichen Erkrankungen signifikant. Das Mortalitäts-Risiko erhöhte sich bei Patienten mit Traumata um 3,9 Prozent, bei Sepsis um 8,0 Prozent, bei Herzkreislaufstillstand um 15,4 Prozent, und bei Krebspatienten um 9,4 Prozent.

Studiendaten aus Australien auch auf Europa übertragbar

Die vorliegende Untersuchung zeigt eindrucksvoll, dass die fehlende, aber indizierte Thromboseprophylaxe kein seltenes Ereignis ist, kommentiert Privatdozent Stephan Budweiser vom Klinikum Rosenheim. Die Daten seien zwar ausschließlich in Australien erhoben worden, dürften jedoch durchaus auch auf Europa übertragbar sein.

Die Ergebnisse belegten darüber hinaus eindeutig, dass vor allem die kränksten Patienten (etwa nach Herzkreislaufstillstand) von der Prophylaxe profitieren und dem Blutungsrisiko in der Regel eine zu hohe Bedeutung beigemessen wird. Dementsprechend bestand eine Kontraindikation für eine Prophylaxe auch nur in etwa vier Prozent der Fälle.

Im Einzelfall schriftlich festhalten

Selbstverständlich habe auch diese Studie schon aufgrund ihres retrospektiven Design und der vielen möglichen Störeinflüssen ihre Limitationen, so Budweiser.

Dennoch werde man aufgrund der doch recht klaren Datenlage zukünftig aus Qualitätsgründen (und vielleicht auch aus rechtlichen Erwägungen) vermutlich nicht mehr umhin kommen, im Einzelfall schriftlich zu dokumentieren, warum man keine Thromboseprophylaxe verordnet hat, zumal die internationalen Fachgesellschaften auch eine Thromboseprophylaxe grundsätzlich bei allen Intensivpatienten nach Ausschluss von Kontraindikationen empfehlen.

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