NOAK

Abgestufte Therapie mindert das Blutungsrisiko

Je nach Krankheitsphase bei tiefer Venenthrombose oder Lungenembolie punktet Apixaban in angepasster Dosierung.

Veröffentlicht:

MANNHEIM. Seit Ende 2015 gibt es eine neue S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Venenthrombose (TVT) und der Lungenembolie (LE). Diese empfiehlt neue oralen Antikoagulanzien (NOAK) gleichermaßen wie Vitamin-K-Antagonisten (VKA).

Die NOAK haben sich in fünf Doppelblindstudien bei 24.455 Patienten mit akuten venösen Thromboembolien (44 Prozent LE) beim Schutz vor Rezidiv-Thrombosen und Tod gegenüber Warfarin als ebenbürtig erwiesen, so Professor Edelgard Lindhoff-Last, Cardioangiologisches Centrum Bethanien in Frankfurt / Main bei einer von Pfizer und BMS unterstützten Veranstaltung in Mannheim. Die Blutungsrisiken sind unter NOAK jedoch signifikant geringer, und zwar um 40 Prozent für schwere Blutungen und um je zirka 60 Prozent für intrakranielle und tödliche Blutungen. Das sei ein Vorteil für die neuen Substanzen, so Lindhoff-Last.

Unterschieden werden bei TVT und LE drei Phasen: Akut mit hohem Rezidiv-Risiko bis vier Wochen, mittelfristig mit mittlerem Risiko bis sechs Monate, und langfristig mit niedrigerem Risiko darüber hinaus. Bei Apixaban und Rivaroxaban wird die Therapie sofortmit dem NOAK ohne Umweg über Heparin oder Fondaparinux begonnen. Um dem in der akuten Phase höheren Rezidiv-Risiko Rechnung zu tragen, wird die Dosis anfangs erhöht: Apixaban 2x10mg für eine Woche, anschließend 2x5mg, Rivaroxaban 2x15mg/d für drei Wochen, dann 1x20mg.

Im Falle von Thrombosen ohne erkennbare Ursache wird sechs Monate lang behandelt. Bei Vorliegen besonderer Kriterien (etwa erhöhte D-Dimere, Residualthrombus, lange Thrombus-Ausdehnung, proximale Lokalisation) sei laut Leitlinie eine verlängerte Erhaltungstherapie günstig, so Lindhoff-Last. Das betrifft ein gutes Drittel der Patienten. Die Entscheidung fällt meist ein Facharzt.

Die verlängerte Prophylaxe mit VKA reduziert das Risiko für Rezidiv-Thrombosen um 80 Prozent, geht aber laut Cochrane-Analyse mit einem 3,4-fach erhöhtem Risiko schwerer Blutungen einher. Auch NOAK senken das Rezidiv-Risiko in diesem Umfang, und auch sie erhöhen das Blutungsrisiko - mit einer Ausnahme: Erfolgt nach sechs Monaten die prolongierte Erhaltungstherapie mit der niedrigen Dosis von 2x2,5mg/d Apixaban (Eliquis®), dann sinkt das Rezidiv-Risiko erheblich, ohne dass die Blutungsgefahr steigt. (DE)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

An Embolie und Dissektion denken!

Junge Frauen mit Herzinfarkt: Oft ist es keine Atherosklerose

Das könnte Sie auch interessieren
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© DG FotoStock / shutterstock

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© skynesher | E+ | Geytty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Wo geht es hier zum nächsten Arzttermin? Über Google starten viele Patienten die Suche, neuerdings wird auch Chat-GPT konsultiert. Eher zielgerichtet ist es, direkt nach Terminen zu suchen.

© fotogestoeber / stock.adobe.com

Arzttermine online

Meta-Suchmaschine für Arzttermine soll die Suche effizienter machen

Ein Arzt erläutert seinem Patienten mit Fettlebererkrankung anhand eines Anatomiemodell der Leber die prognostischen Risiken.

© manassanant / stock.adobe.com

Hepatisches Risiko erhöht

Schlank und MASLD – das macht der Leber schwer zu schaffen

Spritze zum Impfen mit Schriftzug

© Fiedels / stock.adobe.com

Hotline Impfen

Stellen Sie Ihre Fragen zum Impfen!