Ärzte Zeitung, 07.10.2009

Parotisschwellung durch Sarkoidose

Manchmal dauert es etwas, bis die Ursache für eine Schwellung der Ohrspeicheldrüsen ermittelt ist, vor allem wenn sie wesentlich seltener vorkommt als Mumps.

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CT des Thorax im Weichteil- (a) und Lungenfenster (b, c). Bihiläre Lymphadenopathie (a), milchglasartige Infiltrate (b), noduläre Verdichtungen des Bindegewebes (c).

Von Thomas Meißner

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24-jähriger Patient mit bilateraler Parotisschwellung. Der Patient hatte wiederholt leicht erhöhte Temperaturen bis 38,3°C.

Fotos: Leuck, Springer

Mögliche Differenzialdiagnosen bei Schwellungen der Ohrspeicheldrüsen sind etwa Speicheldrüsensteine, eine Speicheldrüsenentzündung sowie gut- oder bösartige Neoplasien. All dies kam jedoch bei einem 24-jährigen Mann mit seit vier Wochen bestehenden schmerzlosen, präaurikulären Weichteilschwellungen auf beiden Seiten und mit wiederholt leicht erhöhten Temperaturen bis 38,3°C nicht in Betracht, berichten Mannheimer Radiologen und HNO-Ärzte. Abgesehen davon war der Patient klinisch unauffällig, ebenso wie das Blutbild.

Erst die folgenden Röntgenthorax-Aufnahmen sowie die Computertomografie des Brustkorbs wiesen den Weg zur richtigen Diagnose, schreiben Dr. Caroline Brockmann und ihre Kollegen in der Zeitschrift "Der Radiologe" (49, 2009, 340). Denn daraus ergab sich eine symmetrische bilaterale Hilusadenopathie mit milchglasartigen Infiltraten und zentrilobulär sowie peribronchovaskulär vorhandene Knötchen, vereinbar mit einer Sarkoidose (Morbus Boeck). Dazu passte ein deutlich erhöhter Serumspiegel des Angiotensin Converting Enzymes, der aber nur bei 60 Prozent der Sarkoidose-Patienten erhöht sein soll. Die übliche bronchoalveoläre Lavage ergab eine lymphozytäre Alveolitis mit erhöhtem CD4+/CD8+-Quotienten. Gesichert wurde die Diagnose schließlich mit dem histologischen Befund.

Die Sarkoidose gehört bei einer Inzidenz in Deutschland von 10/100000 Menschen zu den seltenen Erkrankungen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, bevorzugt im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Die Ursache ist unklar, vermutet wird eine starke Immunreaktion gegen ein infektiöses oder chemisches Antigen, das über die Lunge aufgenommen wird. Da die Krankheit familiär gehäuft beobachtet wurde, scheint es auch eine genetische Disposition zu geben. Die Prognose ist meist gut. Üblicherweise werden systemisch Glukokortikoide verabreicht, meist über Monate. Bei dem jungen Mann hatten sich die Parotisschwellungen damit innerhalb einer Woche zurückgebildet.

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