Ärzte Zeitung, 06.09.2011

Rauchende Eltern gehen aufs Ohr

NOTTINGHAM (hkj). Passivrauchen steigert bei Kindern das Risiko für Otitis media und andere Erkrankungen des Mittelohres besonders stark. Rauchen die Eltern oder andere Menschen im Haushalt, dann wächst die Rate für solche Erkrankungen um 60 bis 80 Prozent, wie eine britische Studie belegt (Arch Pediat Adolesc Med 2011, online 5. September).

Rauchende Eltern gehen aufs Ohr

Blick ins Ohr eines Kindes: Liegt eine Mittelohrentzündung vor, kann das an rauchenden Eltern liegen.

© Jochen Tack / imago

In der Metaanalyse von Forschern an der Universität von Nottingham wurden 61 Studien zum Thema Passivrauchen und Mittelohrerkrankungen ausgewertet.

Das Risiko differiert je nachdem, welches Familienmitglied raucht: Raucht die Mutter, dann steigt das Risiko für Mittelohrerkrankungen um 62 Prozent im Vergleich zu Kindern ohne Rauchexposition. Raucht der Vater oder ein anderes Haushaltsmitglied, dann steigt das Risiko um 37 Prozent.

Höreinschränkungen können die Folge sein

Besonders schwere Mittelohrerkrankungen werden durch Passivrauchen gefördert: Das Risiko für notwendige operative Eingriffe am Mittelohr steigt im Vergleich zu Kindern ohne Rauchexposition bei Kindern in Raucherhaushalten um über 80 Prozent.

Höreinschränkungen können die Folge unbehandelter Otitiden sein. Otitiden mit Ausfluss sind eine besonders häufige Ursache für Einweisungen kleiner Kinder ins Krankenhaus.

7,5 Prozent in Großbritannien und 6,3 Prozent in den USA errechnet

Die Forscher schätzen anhand der Daten, dass von den 1,74 Millionen jährlichen Episoden von Otitis media bei Kindern in Großbritannien etwa 130.200 Mittelohrentzündungen (7,5 Prozent) auf Passivrauchen zurückzuführen sind.

In den USA gehen sie - bei insgesamt 4,65 Millionen jährlichen Ohrinfektionen bei Kindern - von 292.950 Episoden durch Passivrauchen aus (6,3 Prozent).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »