Ärzte Zeitung, 23.05.2012

Die Qual des ersten Bissens nach der HNO-Op

Nahezu jeder zehnte Patient hat nach einer HNO-Op etwa im Bereich der Fossa infratemporalis Schmerzen bei der ersten Mahlzeit. Das muss aber nicht sein.

Von Robert Bublak

Die Qual des ersten Bissens nach HNO-Operationen

Operationen im infratemporalen oder parapharyngealen Bereich sowie an der Parotis haben oft schmerzhafte Folgen beim Essen.

© Sebastian Schreiter

NEW YORK. Das Syndrom des ersten Bissens, auf gut Englisch "First Bite Syndrome" (FBS), ist eine gar nicht so seltene Folge HNO-chirurgischer Eingriffe.

Die genaue Inzidenz war bisher dennoch unbekannt. US-Forscher haben nun genauer nachgerechnet.

Das FBS betrifft Patienten nach Eingriffen im Bereich der Fossa infratemporalis, des parapharyngealen Raums oder des tiefen Lappens der Parotis.

Bei jedem ersten Bissen einer Mahlzeit kommt es dabei zu schweren, schmerzhaften Krämpfen oder Spasmen in der Parotisregion, die sich danach von Biss zu Biss bessern.

Als Ursache wird ein Verlust der sympathischen Innervation vermutet, die eine gesteigerte Empfindlichkeit auf parasympathische Neurotransmitter verursacht. Dies stimuliert ein Überschießen der Kontraktionen myoepithelialer Zellen in der Parotis und löst die Schmerzen aus.

HNO-Spezialisten am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York haben die Krankenberichte von 499 Patienten durchgesehen, die sich chirurgischen Eingriffen in den genannten anatomischen Bezirken hatten unterziehen müssen, die weitaus meisten (482) aufgrund eines Tumors (Laryngoscope 2012; online 9. Mai). 53 Prozent der Geschwülste waren bösartig gewesen.

Wenig Aufklärung

Knapp jeder zehnte dieser Patienten (9,6 Prozent) entwickelte ein FBS. Im Mittel traten die Beschwerden rund drei Monate nach der Operation erstmals auf.

Nach einer Resektion des Grenzstrangs wurde bei 48,6 Prozent der Operierten ein FBS diagnostiziert, nach einer Resektion lediglich des tiefen Parotislappens waren es 38,4 Prozent und nach einer Dissektion des Parapharyngealraums 22,4 Prozent.

Dagegen zogen totale Parotidektomien kaum je ein FBS nach sich. Nur 0,8 Prozent dieser Patienten klagten über entsprechende Symptome, vermutlich verursacht von versehentlich zurückgelassenem Rest- oder ektopischem Gewebe.

Im Verlauf der 40-monatigen Nachbeobachtung ließen die Beschwerden bei 69 Prozent der FBS-Patienten nach. Doch nur bei 12 Prozent verschwanden sie ganz. Etwa jeder dritte Betroffene hatte sich einer Therapie unterzogen, wozu die Verordnung von Analgetika, Akupunktur und Injektionen von Botulinumtoxin gehörten.

Völlig überzeugen konnte aber keine der Methoden. Befragt, ob man sie vor der Operation über das Risiko, ein FBS zu entwickeln, informiert habe, antworteten nur 7 Prozent der Patienten mit Ja. Allerdings gab es niemanden, der daraufhin die Op abgelehnt hätte.

Quelle: www.springermedizin.de

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