Ärzte Zeitung online, 30.12.2012

Silvester

Mit dem Feuerwerk kommt das Knalltrauma

Risiko Silvester: Seit dem vergangenen Jahr darf Feuerwerk doppelt soviel Sprengstoff enthalten wie bisher. HNO-Experten warnen und appellieren.

Silvester bringt 8000 Bürgern Deutschlands ein Knalltrauma

Bunt - und laut.

© photos.com

BONN. Etwa 8000 Deutsche erleiden jährlich zu Silvester Verletzungen des Innenohrs durch Feuerwerkskörper. Mehr als ein Drittel der Betroffenen behalten durch ein solches Knalltrauma bleibende Schäden wie Tinnitus und Hörverlust.

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) rät daher, sich zum Jahreswechsel von Knallkörpern fernzuhalten und die Ohren zu schützen.

Vor allem aber fordern die Experten den Gesetzgeber auf, diese akustische Belastung zu verringern, anstatt sie zu unterstützen.

Denn seit vergangenem Jahr darf Silvester-Feuerwerk die doppelte Menge an Sprengstoff enthalten wie bisher, erinnert die Gesellschaft in einer Mitteilung.

Jeder Fünfte hat Hörprobleme

20 Prozent der Menschen in Industrieländern hätten Hörprobleme, so die DGHNO KHC. Häufigste Ursache ist eine Funktionsstörung des Innenohrs durch Lärm. Das Knalltrauma - an Silvester durch Feuerwerkskörper verursacht - ist eine häufige Gefahrenquelle für dauerhaften Hörverlust.

Betroffene können bestimmte hochfrequente Töne nicht mehr wahrnehmen. Mitunter spüren sie stechende Schmerzen im Ohr, Schwindel, und das Ohr fühlt sich verstopft an.

"Die Symptome eines Knalltraumas klingen zwar häufig ab. Doch in vielen Fällen bleibt das Gehör für Monate, Jahre oder sogar lebenslang geschädigt", wird Professor Roland Laszig, Generalsekretär der DGHNO KHC, in der Mitteilung zitiert.

Besonders häufig treten an Silvester Knalltraumen in der Altersgruppe zwischen 6 und 25 Jahren auf - bei Männern dreimal so oft wie bei Frauen.

Knalltrauma bereits bei 140 dB

Explodieren Feuerwerkskörper in einer Nähe von weniger als zwei Metern, wirken auf die Ohren etwa 25 Millisekunden lange Schallimpulse. Sie erreichen Spitzen von bis zu 160 Dezibel (dB), Schreckschusspistolen sogar über 180 dB.

"Zum Vergleich: Ein startendes Düsenflugzeug entwickelt in 30 Metern Entfernung einen Schalldruckpegel von 150 dB", erklärt Laszig, Direktor der Freiburger Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik.

Ein Knalltrauma wird bereits durch einen Schalldruckpegel von 140 dB ausgelöst. Hörsinneszellen, Stützzellen und andere Teile der Hörschnecke im Innenohr nehmen dabei bleibenden Schaden.

Größere Schalleinwirkungen können sogar zu einem Explosionstrauma führen, bei dem das Trommelfell einreißt und eventuell auch die Gehörknöchelchen verletzt werden. Gegen die Spätfolgen hilft oft nur noch ein Hörgerät.

Laszig empfiehlt, die Ohren an Silvester etwa durch Ohrstöpsel zu schützen und großen Lärm zu meiden.

Wenn die Ohren dennoch einer Explosion ausgesetzt waren und noch am folgenden Tag Ohrengeräusche oder Hörminderung bestehen, rät der Experte, einen HNO-Arzt aufzusuchen. Dieser verschreibt gegebenenfalls durchblutungsfördernde Medikamente und Kortison.

Sprengstoffverordnung wurde 2010 gelockert

Im Jahr 2010 wurde die deutsche Sprengstoffverordnung deutlich gelockert: Statt 200 Gramm Sprengmasse darf eine Feuerwerksbatterie nun 500 Gramm beinhalten.

Damit verdoppelt sich deren Sprengkraft: "Laien zündeln jetzt mit Sprengstoffmengen, die bislang nur Pyrotechniker zugänglich waren", warnt Laszig in der Mitteilung der DGHNO KHC.

Die Politik müsse Menschen durch entsprechende gesetzliche Regelungen vor diesem Lärm schützen, anstatt eine Aufweichung dieser Beschränkungen zuzulassen.

Um Gehörschäden zu vermeiden, gelte es zudem, über die Gefahren von Impulslärm durch Feuerwerkskörper und Signalpistolen aufzuklären, fordern die Experten der DGHNO KHC. Auch Eltern, Lehrer, Ärzte und Mitarbeiter von Jugend- und Sozialeinrichtungen könnten dabei helfen. (eb)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Unterquoten bei Internisten denkbar

GBA-Chef Hecken hat im Interview mit der "Ärzte Zeitung" erste Neuerungen in der künftigen Bedarfsplanung verraten. Auch spricht er darüber, wie Ärzte über die Wirtschaftlichkeit einer Verordnung informiert werden sollen. mehr »

Blutzuckersenker mit eingebautem Herzschutz

Neue Antidiabetika sorgen für Furore, weil sie neben Blutzucker auch das Herztodrisiko senken. Sind sie eigentlich noch als Antidiabetika zu bezeichnen oder sind es nicht eher Herzmedikamente mit Blutzuckersenkung als erfreulichem Begleiteffekt? mehr »

Wenn ein Hausbesuch angefordert wird

Die Ehefrau eines Patienten ruft in der Praxis an und bittet den Arzt um einen Hausbesuch, da der Patient nicht in die Praxis kommen könne. Wie lässt sich diese telefonische Anfrage korrekt abrechnen? Unser Abrechnungsexperte klärt auf. mehr »