Chronische Rhinosinusitis

"Entzündete Nase" steigert Schlaganfallrisiko

Rhinosinusitus mit gravierenden Folgen: Denn Patienten mit einer chronischen Rhinosinusitis haben offenbar ein erhöhtes Apoplexrisiko. Erklärungen dafür gibt es einige. Nur ein Beweis, dass dem tatsächlich so ist, fehlte bislang. Den liefern nun Forscher aus Taiwan.

Veröffentlicht:
CRS? Ein Risiko für Schlaganfälle.

CRS? Ein Risiko für Schlaganfälle.

© aceshot / fotolia.com

TAIPEI. Die Liste zentralnervöser Komplikationen aufgrund einer chronischen Rhinosinusitis (CRS) ist lang und reicht von Gehirnnervparalysen, Gehirnabszessen und subduralen Empyemen über Meningitiden sowie Sinus-cavernosus- und Jugularvenen-Thrombosen.

Jetzt muss wohl auch der Schlaganfall als Rhinosinusitis-bedingte Komplikation gelten. Zumindest legt das eine große Kohortenstudie aus Taiwan nahe.

Darin war das Schlaganfallrisiko für Menschen mit CRS über einen Zeitraum von fünf Jahren nach Diagnosestellung im Vergleich zu Gesunden um ein Drittel erhöht (Laryngoscope 2013; online 1. Februar).

Die Forscher werteten Krankenakten von 15.846 CRS-Patienten und 47.538 Kontrollprobanden aus, die sie aus der Longitudinal Health Database (LHID2000) stammten; einer Datenbank, in der im Rahmen des 1995 gestarteten National Health Insurance Program 1.000.000 Personen gelistet worden sind.

Wer zwischen 2002 und 2004 die Erstdiagnose CRS gestellt bekam, mindestens 19 Jahre alt war und zuvor noch keinen Schlaganfall erlitten hatte, fand Eingang in die Patientengruppe.

Jedem Patienten stellten die Wissenschaftler drei Kontrollpersonen gegenüber, die in Alter, Geschlecht und Grad der Urbanisierung übereinstimmten.

Mehr ischämische Schlaganfälle

Während des Untersuchungszeitraums von fünf Jahren hatten 3,90 Prozent aller Probanden einen Schlaganfall, wobei anteilig mehr CRS-Patienten als Kontrollpersonen betroffen waren.

So lag die Inzidenzrate pro 100 Personenjahre für CRS-Patienten bei 10,65, in der Kontrollgruppe bei 7,53. Die CRS blieb selbst dann ein unabhängiger Risikofaktor, wenn die Forscher demografische Variablen und kardiovaskuläre Risiken berücksichtigten (HR bei CRS: 1,33).

Das Risiko stieg allerdings nicht für alle Apoplex-Typen gleichermaßen: Während für ischämische Schlaganfälle der Unterschied zwischen den Gruppen deutlich ausfiel (adjusted HR: 1,34), erreichte er für subarachnoidale oder intrazerebrale Hämorrhagien keine Signifikanz (adjusted HR: 1,52).

In Anbetracht dieser Ergebnisse fordern die Studienautoren, als nächsten Schritt die möglichen Pathomechanismen zu klären, die der Risikosteigerung zugrunde liegen, um künftig präventiv einwirken zu können. (dk)

Mehr zum Thema

Flugmediziner klärt auf

Wann ein Mensch zu krank für den Flug ist

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Dr_Microbe / stock.adobe.com

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Fünf Jahre orale Therapie mit Risdiplam

Breite Anwendbarkeit bei 5q-assoziierter SMA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Verdacht auf Myokardinfarkt

Wenn erhöhte Troponine täuschen und es kein Herzinfarkt ist

Innovative Therapieansätze

Mit Fischhaut gegen den diabetischen Fuß

Differenzialdiagnostik bei Enthesiopathie

Wann Sehnenbeschwerden wahrscheinlich rheumatisch bedingt sind

Lesetipps
Bei der Übung „Drei Minuten Atemraum“ geht es etwa darum, die aktuelle Tätigkeit für drei Minuten zu unterbrechen und bewusst in sich hineinzuhören. (Symbolbild)

© wang / stock.adobe.com / Generated with AI

Mehr Wohlbefinden im Praxisalltag

Praxisstress? Diese Achtsamkeitsübungen verschaffen Ihnen schnell wieder Luft

Ein Mann fasst sich mit der Hand ans Herz. Eine andere Person hält eine Tablette in die Kamera.

© kooshevoy / Fotolia

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: Was bringen Digitoxin und Vericiguat?

Eine Reihe von Sportutensilien (Fußball, Tennisschläger, Springsseil, etc.) in einer Sporttasche, die auf dem Boden steht.

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

US-Analyse

Was Bewegung bei diesen sieben Krebsarten bringt